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Zandernester anlegen - Laichplätze für Zander

Zandernester anlegen - Laichplätze für Zander

Dieser Artikel befasst sich mit dem Anlegen von sogenannten Zandernestern. Zandernester sind künstlich angelegte Laichplätze aus Tannenbäumen, Reisig, Ästen und/oder Laichbürsten, die im Gewässer versenkt werden. Vornehmlich Zander und Barsche benötigen diese verästelten Strukturen, um ihre Eier abzulegen – beim Zander sind das bis zu 200 000 Eier pro Weibchen.

Der Ausdruck „Nest“ stammt wahrscheinlich vom Verteidungsinstinkt des männlichen Zanders, der den Laichplatz nach dem Ablaichen oft bis zum Schlupf der Brut bewacht und rigoros verteidigt.

Anleitung

Material

Der Bau der Zandernester mit Ästen und Reisig ist relativ mühsam, da man dafür erst Befestigungsrahmen bauen muss. Besser zu verwenden sind Tannenbäume, die haufenweise nach dem Weihnachtsfest anfallen und ohne große Vorbereitung direkt versenkt werden können. Unverkaufte Weihnachtsbäume sind oft sogar kostenlos beim Christbaum-Händler erhältlich. So könnt ihr schnell viele Bäume zusammengetragen, die sich noch bis zum Einbau kurz vor der Laichzeit gut halten.

Was ihr neben den Tannenbäumen noch braucht:

  • Steine oder Betonblöcke als Gewicht zum Versenken – am besten mit Löchern
  • Hanfseile, Schnüre o.ä. zur Befestigung an den Steinen
  • Bohrmaschine/Akku-Bohrer mit Holzbohrer für ein Befestigungsloch im Baum

Einbau

Zandernester - Tannenbäume im Boot

Zander laichen in der Regel von April bis Mai ab einer Wassertemperatur von etwa 10°C. Erst wenn sich die Wassertemperatur diesem Wert nähert, wird mit dem Einbringen der Zandernester begonnen, um die Sedimentablagerung auf den Bäumen zu reduzieren. Bis zu fünf Nadelbäume werden am Stamm zusammengebunden und mit vorbereiteten, entsprechend großen Betongewichten oder Steinen beschwert. Mit dem Boot werden die Tannenbäume ausgebracht, wobei großes Augenmerk auf geeignete Stellen gelegt werden muss. Grundsätzlich werden  schottrige Bereiche gewählt, die eine entsprechende Wassertiefe ab 1,5 m haben und somit auch bei Niedrigwasser nicht trocken fallen. Ein beim Einbringen verwendetes Echolot kann dabei sehr hilfreich sein. Um beliebte Angelstellen nicht zu Hängerfallen zu machen, könnt ihr diese Bereiche aussparen. Einige Zandernester können mit Bojen (z.B. aus Plastikflaschen) versehen werden, um die Annahme und das Ablaichen kontrollieren zu können.

Das Einbringen von Zandernestern kann durchaus jährlich wiederholt werden, da die Tannenbäume nach und nach ihre Nadeln verlieren. In kleinen Gewässern könnt ihr aus Platzmangel alte Bäume nach ein bis zwei Jahren wieder entnehmen und gegen frisches Material austauschen.

Erfahrungen vom Donau-Altarm Wallsee

Erfahrungsbericht von Christian Mitterlehner – gewaesseroekologie.at

Zandernester - Donau-Altarm Wallsee

Donau-Altarm Wallsee (rot)

Seit 1983 bewirtschaftet die Österreichische Fischereigesellschaft den Donau-Altarm Wallsee. Der Altarm Wallsee hat eine Länge von 3,8 km und eine maximale Breite von 280 m und ist unterstromig, unterhalb des Kraftwerkes Wallsee-Mitterkirchen, mit der Offenen Donau verbunden. Der Raubfischbestand setzt sich insbesondere aus Rapfen, Wels, Hecht und Zander zusammen, wobei Hecht und Zander in den Fangzahlen dominieren. Der Zander weist eine gute Population mit einem starken Jungfischbestand auf, der nicht zuletzt auf das konsequente Einbringen von Zandernestern zurückzuführen ist.

Der Bruterfolg des Zanders unterliegt jährlichen Schwankungen, insbesondere bedingt durch Wassertemperatur und Nahrungsverfügbarkeit, die aber in naturnahen Gewässern nicht beeinflusst werden können.  Gerade der Zeitraum unmittelbar nach dem Schlupf stellt einen äußerst sensiblen Lebensabschnitt dar, wo die Qualität und Quantität der Nahrungsorganismen entscheidend ist. Um geeignete Jahre optimal nutzen zu können, werden die Zandernester jährlich eingebracht, da die Qualität der Nester durch Abfallen der Nadeln und  Ablagerungen abnimmt.

Zandernester - Erfolgskontrolle

In der obigen Abbildung ist die jährliche Entnahme von Zandern und Hecht im Donaurevier Wallsee-Mitterkirchen von 1994 bis 2005 dargestellt (Daten: Österreichische  Fischereigesellschaft, gegr. 1880). Obwohl der Zanderbestand im Revier nicht wie beim Hecht durch Besatz gestützt wird, beträgt die durchschnittliche jährliche Entnahme an Zandern über 400 kg und liegt mittlerweile über jener des Hechtes. Naturgemäß unterliegt aber auch der jährliche Fangerfolg starken Schwankungen, wie zum Beispiel im Hochwasserjahr 2002.

Im Zuge einer Untersuchung der Fischfauna im Donauabschnitt zwischen Wallsee und Dornach wurde im Jahr 2005 der Altarm Wallsee untersucht.  Dabei war eine hohe Dichte juveniler Zander auffällig, welche beim Sommertermin im Mittel bei knapp 10, bzw. beim Herbsttermin bei 3 Individuen je 100 m lag. In günstigen flachen und mit Totholz oder Makrophyten strukturierten Uferzonen wurden Dichten bis zu 49(!) Individuen pro 100 Meter nachgewiesen, was einem Zander pro 2 Meter Uferlinie entspricht.

Fazit

Zandernester - junger Zander

Der Einsatz von Zandernestern als Laichhilfe stellt sowohl eine kostengünstige als auch fischökologisch sinnvolle Maßnahme zur Unterstützung (natürlich) vorhandener Zanderpopulationen dar, da auf das Einbringen gewässerfremder Fische verzichtet werden kann. Durch Markieren der Zandernester ist auch der Laicherfolg leicht kontrollierbar.

Danksagung

Herzlichen Dank an Mag. Christian Mitterlehner, der sein Bild- und Schriftenmaterial zur Verfügung gestellt hat. Mehr zu seiner Arbeit findet ihr auf gewaesseroekologie.at.

Über Niklas


Gewässerwart im Angelverein seit 2010, Vorsitzender eines Gewässerschutz Vereins und Gründer des Gewässerwart Blogs. Begeisterter Skandinavien-Fahrer, Angler und Medieninformatiker.

Kommentare

  1. Jürgen Frey meint:

    Hallo,
    sehr guter und aufschlussreicher Bericht über Zander und Hecht!

    MfG Jürgen

  2. Gerhard Pahlke meint:

    Hallo Niklas,

    Wir haben hier ein Problem mit der Zander Population. In den Seen, in denen vor 5 bis 6 Jahren noch ein guter Zanderbestand war, können wir heute keinen einzigen Zander mehr fangen.
    Es scheint so als gäbe es keine mehr. Viele sagen es liegt an dem zu sauberen Wasser. Kann das wirklich ein Grund sein? Ich bin hier in M-V. An der Seenplatte und in der Müritz und anderen Seen sind ja auch Zander. Wie kann man erkennen ob das Gewässer für Zander geeignet ist oder nicht?

    Ich kann nicht verstehen wo die Zander geblieben sind. Wir haben diese früher auf der Senke gehabt. Ich würde mich freuen etwas Wissenswertes zu lesen.

    Danke und Gruß
    Gerd

    • Hallo Gerhard,

      eine Ferndiagnose ist bei sowas immer recht schwierig - wenn nicht unmöglich.
      Um dich erst mal etwas zu beruhigen: Meine und auch die Erfahrung anderer zeigt doch immer wieder, dass man sich schnell täuschen kann. Oft bleiben Abläufe unter Wasser für uns im Verborgenen. Deshalb mein Rat: Verschafft euch erst mal einen guten Überblick und überlegt dann, ob und wie ihr weitermacht.

      Deshalb empfehle ich dir dich unbedingt im Gewässerwart Forum anzumelden, um dort eine detaillierte Gewässervorstellung inklusive deiner Fragen einzustellen. Hier sind viele engagierte Gewässerwarte angemeldet, die sich gerne mit deinen Fragestellungen auseinandersetzen und dir sicher weiterhelfen.

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