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Wasserpflanzen in Teichen ansiedeln

Wasserpflanzen in Teichen ansiedeln

In letzter Zeit beschäftigen wir uns ausgiebig mit dem Besatz von einheimischen Wasserpflanzen in unserem Vereinsteich. Da hier über Jahre hinweg Graskarpfen ihr Unwesen trieben, verschwand alles was nur annähernd grün war von der Bildfläche. Wo ehemals Laichkräuter wuchsen, sind jetzt nur noch Algen zu finden. Da aber zu jedem natürlichen Gewässer Wasserpflanzen einfach dazugehören und die besagten Pflanzenfresser langsam aus unserem Gewässer verschwinden, bemühen wir uns jetzt Schwimmblatt- und besonders Unterwasserpflanzen wieder anzusiedeln.

Vorbereitungen

Kommt Zeit, kommen Pflanzen

Einem „leergefegten“ Gewässer sollte man erst mal etwas Zeit geben. Es ist nicht selten, dass sich Wasserpflanzen von selbst wieder breitmachen – sei es durch kleine Restbestände oder auch durch Wasservögel. Wenn sich dann tatsächlich gar nichts tut, kann man dem Gewässer etwas unter die Arme greifen.

Standorte schaffen

In vielen künstlich angelegten Teichen mangelt es an den nötigen Strukturen, um Wasserpflanzen das Wachstum zu ermöglichen. Steile Ufer und monotone Gewässertiefen schränken das Ansiedeln verschiedener Arten stark ein. Wenn das in eurem Gewässer der Fall sein sollte, solltet ihr zunächst für gute Rahmenbedingungen sorgen. Das heißt konkret: verschiedene Tiefenbereiche anlegen. Am besten mit steinigen Material, um nicht ungewollt viele Nährstoffe ins Wasser zu bringen.

Auswahl der Pflanzen

Sind geeignete Pflanzbereiche vorhanden, folgt die Auswahl der Wasserpflanzen. Dabei sollte man mehrere Dinge beachten:

  • grundsätzlich einheimische Pflanzen verwenden (Finger weg von Wasserpest und Co.!)
  • Wuchsfreudigkeit der Pflanzenart beachten (Vorsicht bei Hornkraut, Tausendblatt und Co.!)
  • einen Mix aus verschiedene Arten zusammenstellen

Gleichzeitig sollte man die Gelegenheit nutzen und sich für schützenswerte Arten entscheiden, die eher selten sind und so in ihrer Verbreitung unterstützt werden können.

Schwimmblattpflanzen

Schwimmblattpflanzen spielen im Gewässer eher eine ökologisch untergeordnete Rolle, da sie nur wenig Struktur für Tiere bieten und Unterwasser je nach Art keinen oder nur wenig Sauerstoff produzieren. Sie beschatten zwar das Wasser und mindern so die schnelle Erwärmung, allerdings behindern dichte Bestände auch gleichzeitig die Umwälzung von Stillgewässern durch den Wind und fördern die Verlandung. Man sollte also darauf achten, dass die Bestände nicht all zu groß werden.

Unterwasserpflanzen

Die meisten Unterwasserpflanzen sind sehr gute Sauerstoffspender – teilweise auch im Winter – und bieten durch ihre Wuchsform einen geeigneten Lebensraum für Kleinstlebewesen und Jungfische. Zusätzlich dienen sie Fischen als Laichsubstrat und sind für die Fortpflanzung sehr wichtig. Aufgrund dieser Eigenschaften empfehlen wir Unterwasserpflanzen den Schwimmblattpflanzen vorzuziehen.

Testphase

Die Pflanzen wuchern am Ende noch den ganzen Teich zu. Wie sollen wir dann noch angeln?

Speziell die Wuchsfreudigkeit ist in Angelvereinen das klassische Argument gegen Wasserpflanzen. Die Angst vor zu starkem Wachstum schreckt so ab, dass die eigentliche Bedeutung für die Wasserqualität in den Hintergrund rückt.

Wasserpflanzen einsetzen - Schutz

Seerosen im Schutzgitter

Wir haben deshalb erst mal klein angefangen um zu sehen, welche Pflanzen überhaupt gut gedeihen und welche den Hang zu ausgedehnter Vermehrung haben. Dazu haben wir Einzelexemplare verschiedener Pflanzenarten bestellt oder in anderen Gewässern gesammelt und sie übergangsweise in Teichpflanzkörben an den vorgesehenen Stellen abgelassen. Am besten die Körbe mit Leinen sichern, dass man sie später wieder unkompliziert herausholen kann. Zum Schutz vor ggf. noch vorhandenen Graskarpfen legten wir zusätzlich ein Schutzgitter aus.

Verlauf im Testjahr

Aufgrund des langanhaltenden Winters waren viele Pflanzen erst im späten Frühling/anfang Sommer erhältlich. Wir begannen mit dem Eintopfen und Aussetzen also gegen Mai/Juni. Als Standort wurden mehrere vollbesonnte Stellen mit entsprechenden Wassertiefen gewählt. Von jeder Art setzten wir 1-2 Exemplare aus:

  • Weiße Seerose
  • Gewöhnlicher Hahnenfuß
  • Krauses Laichkraut
  • Glänzendes Laichkraut
  • Schwimmendes Laichkraut
  • Wasserfeder
  • Tannenwedel

Frühjahr/Sommer

Schon nach wenigen Wochen zeigten sich erste Erfolge bzw. Misserfolge. Der Hahnenfuß blühte bald und legte ein rasantes Wachstum vor, so dass wir schnell Platz schaffen mussten. Die restlichen Pflanzen gedeihten bis auf die Seerosen recht gut.

Herbst

Gegen Ende der Wachstumsperiode sah das Bild aber schon ganz anders aus. Die passenden Pflanzen haben sich herauskristallisiert. Der Hahnenfuß ist gegen Ende des Sommers stark geschrumpft bis er komplett verschwunden war. Eine Seerose hat es überlebt und ist sehr gut gewachsen. Die Laichkräuter haben sich etabliert und schöne Pflanzkissen gebildet. Die Wasserfeder blieb insgesamt klein, hat aber überlebt und der Tannenwedel hat sich bereits neben dem Topf ausgebreitet.

Winter

Im Winter ziehen sich die Pflanzen allmählich zurück. Nachdem sie nun aus kleinen Ablegern schon stattlichere Gewächse geworden sind, warten wir gespannt auf das Wachstum im nächsten Jahr.

Wasserpflanzen ansiedeln

Schwimmendes, Glänzendes und Krauses Laichkraut im Winter

Wasserpflanzen ansiedeln

…und eine Weiße Seerose. (Tannenwedel versteckt)

Pflanzen aussetzen

Da wir jetzt wissen, welche Pflanzen gut mit dem Gewässer zurechtkommen, setzen wir im folgenden Jahr die ersten Pflanzen ohne Topf aus. Die Seerosen und möglicherweise das Glänzende Laichkraut werden jedoch in den Töpfen bleiben oder komplett entnommen, um eine unkontrollierte Ausbreitung zu verhindern.

Wenn Wasserpflanzen doch wuchern…

…liegt das für gewöhnlich an einem hohen Nährstoff-Anteil im Wasser – und das ist in unser landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaft keine Seltenheit. Natürlich liegt das Reduzieren der Pflanzen mit Rechen und Mähboot dann nahe, doch viel mehr sollte man sich um die Beseitigung der Nährstoffquellen bemühen. Graskarpfen sind im Übrigen auch keine Lösung.

Über Niklas


Gewässerwart im Angelverein seit 2010, Vorsitzender eines Gewässerschutz Vereins und Gründer des Gewässerwart Blogs. Begeisterter Skandinavien-Fahrer, Angler und Medieninformatiker.

Kommentare

  1. bernd schwarz meint:

    einen schönen tag aus dem rheinland,
    wir haben die möglichkeit,mit unserem angelverein in absehbarer zeit einen baggersee zu bewirtschaften,das gewässer hat z.zt. eine größe von ca 2 ha.
    zur zeit wird dort noch geschürft..die endgültige größe dürfte bei 10-12 ha liegen..da das gewässer eine L form haben wird,können wir an der kurzen seite ohne baggereinfluß anfangen pflanzen zu setzen...zumindest im uferbereich,wo dann später auch die schutzzone entstehen soll...es wäre m.e. sehr gut,wenn wir diese vegetationperiode schon nutzen würden,um zu sehen,was kommt,und was nicht.
    bis jetzt haben wir 4 teichrosen gesetzt,die paarweise in einem abstand von ca 70 meter von einander liegen....der plan ist,den uferbereich /flachzonen mit seekanne,kalmus,tannenwedel teichsimse und wasserstern anzulegen..natürlich möchten wir nur einheimische wasserpflanzen setzen...wie sieht es rechtlich mit "in freier Natur artgeschützten pflanzen aus?können uns dadurch im nachhinein probleme mit irgendwelchen fischerfeindlichen naturschützern entstehen? die zu bepflanzende uferlänge beträgt ca 180 m..anmerken möchte ich noch,das das gewässer in rheinnähe liegt,und somit wasserstandsabhängig von diesem ist.es wäre ganz nett,wenn du uns dabei helfen könntest..noch eine frage,wohin geht es nach norwegen?ich fahre auch mindestens 1x im jahr dahin..in diesem jahr sind wir in gutvik,gegenüber der insell leka
    petri bernd schwarz

  2. Hallo zusammen,

    wo kann ich autochtone Wasserpflanzen käuflich erwerben? Das Werben in der freien Natur wäre auch eine Möglichkeit, jedoch ist diese aufwändiger und setzt die Erlaubnis des Fischereiberechtigten voraus.

    MfG
    Patrick

    • Niklas meint:

      Hallo Patrick,

      wenn du Wasserpflanzen aus der Region besetzen willst, hälst du am besten an Nachbargewässern Ausschau. Es gibt nur sehr vereinzelt Wassergärtnerein und ob die dann Pflanzen aus der Nähe aufziehen, wage ich mal zu bezweifeln.
      Versuch es doch mal an kleinen, privaten Teichen in deiner Region. Außer einer Absprache mit dem Besitzer wirst du für ein paar Ableger wohl keine weitere Genehmigung brauchen. In "öffentlichen" Gewässern wie Fließgewässern würde ich nach einer Genehmigung bei der Unteren Naturschutzbehörde nachfragen.

      Im beschrieben Fall haben wir die Pflanzen im Internet bei einer Wassergärtnerei bezogen, die allerdings meist nur "Allerweltspflanzen" anbieten. Heute würde ich es vermutlich auch eher in Nachbargewässern versuchen, bevor ich sie von irgendwo einkaufe.

  3. Hört sich alles super an. Würde ich auch gerne testen. Leider fällt unser Wasserspiegel im Sommer bis zu einem Meter. 🙁 Wenn ich im Frühjahr pflanzen würde, würden diese im Sommer im Trockenen stehen.

    • Gewässerwart meint:

      Hallo Ole,

      Das ist speziell in eurem Fall sicher ein Problem, aber was spricht dagegen einfach einen Versuch in tieferen Bereichen oder bei Niedrigwasser zu starten?
      Später breiten sich die Pflanzen ja noch weiter aus.

      • Für mich spricht nichts dagegen. Einige aus unserem Verein haben aber bedenken, dass die ein oder andere Pflanze wuchert.
        Um etwas Schatten in das Wasser zu bekommen, habe ich Rosen gepflanzt, extra in Kübel, so dass ich sie jederzeit rausholen kann falls sie wuchern.

      • Gewässerwart meint:

        Mit den Seerosen hast du schon mal alles richtig gemacht, denn die sind ein Kandidat fürs Wuchern. Ich würde es mit den anderen Pflanzen genauso machen: Erst mal in einem Topf probieren - eben wie oben im Artikel beschrieben. 😉

        Da euer Teich teilweise trocken fällt, könntest du auch mal nach Amphibischen Pflanzen Ausschau halten, die sowohl im Wasser als auch auf Land vegetieren können. Wasser-Knöterich und Tannenwedel sind zwei Beispiele dafür.

  4. "Rudi" meint:

    Sorry, der gewöhnliche Hahnenfuß ist eine Pflanze des Fließgewässers.
    Wird in stehenden Gewässern nie natürlich vorkommen, und auch nicht überleben.

    mfG

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