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Wasserkraftwerke töten Aale

Wasserkraftwerke töten Aale

Der Begriff Erneuerbare Energien ist aktuell in aller Munde. Energieerzeuger werben mit sauberer und „grüner“ Energie. Besonders die Wasserkraft, die einen Hauptanteil des regenerativen Strommixes in Deutschland ausmacht, steht hier im Fokus. Doch ganz so ökologisch, wie es die Konzerne propagieren, ist diese Energiegewinnungsform dann doch wieder nicht.

Wirft man erst mal einen Blick unter die Wasseroberfläche wird ein Hauptprobleme schnell klar:
Viele Tierarten werden durch die Querbauwerke in ihrem Wanderverhalten eingeschränkt. Ausgleichende Aufstiegsmöglichkeiten werden oft durch sogenannte Fischtreppen suggeriert, doch funktionieren davon in der Praxis nur sehr wenige.
In umgekehrter Richtung – beim Fischabstieg – kommt zusätzlich die Gefahr durch die rotierenden Turbinen und Treibgut-Rechen hinzu. Besonders der vom Aussterben bedrohte Aal, Kleinfischarten und Jungfische geraten immer wieder in diese tödliche Falle.

Tödliche Gefahr durch Rechen und Turbine

Wasserkraftwerk Kostheim Main - Rechenanlage

Automatische Rechenanlage eines Wasserkraftwerks

In den Rechen, die die Turbinen vor Verschmutzung schützen sollen, bleiben Aale immer wieder stecken, werden teilweise sogar in Stücke gerissen und verenden qualvoll. Den Fischen, denen es gelingt durch den Rechen zu schlüpfen, steht noch der Weg durch die Turbine bevor. Wie die Fische hier rauskommen, kann sich jeder selbst ausmalen.

Leider findet man diese Situation in vielen Wasserkraftwerken jeglicher Größenordnung vor. Die Schäden sind enorm, obwohl sie doch vor allem bei Kleinstkraftwerken durch Rückbau vermeidbar wären, da diese ohnehin nur einen verschwindend geringen, winzigen Teil des Strombedarfs abdecken.

Ein Rechenexempel für die Bedeutung der Kleinstkraftwerke im Stromnetz findet man in einer Präsentation von Wilfried Klein (IG Lahn, Verband Hessischer Fischer), einem seit Jahren engagierten Gegner der Wasserkraft: Ist Strom aus Wasser „Ökostrom“?

Ein Beispiel an der Lahn bei Diez

Tote Aale durch Wasserkraft

Ein Karren toter Aale (Foto: WInfried Klein)

Winfried Klein präsentierte vor dem Limburger Rathaus etwa 45kg toter Aale, die in einer Nacht im Wasserkraftwerk bei Diez zu Tode kamen. Die aufgebahrten Fische sind dabei nur ein Bruchteil der jährlich getöteten Aale. Gerade in der Phase der Laichwanderung sind es noch wesentlich mehr Tiere, die das Kraftwerk passieren müssen. Rechnet man das auf ein Jahr hoch, kommen allein bei diesem einen Kraftwerk schnell einige Tonnen zusammen. Bei weiteren 50 Kraftwerken im Flusssystem eine erschreckende Bilanz.

Mit dieser drastischen Aktion will Winfried Klein Anwohner und Politiker wachrütteln. Eins ist ihm jedenfalls jetzt schon gelungen: Aufruhr stiften. Passanten waren erstaunt über die ungeahnte Gewalt unter Wasser und auch die Medienresonanz war groß. Viele Zeitungen, sogar Radiosender (FFH) und das Fernsehen (RTL Hessen, SAT1, hr-Fernsehen) berichteten von dem verbesserungswürdigen Zustand:

Über Niklas


Gewässerwart im Angelverein seit 2010, Vorsitzender eines Gewässerschutz Vereins und Gründer des Gewässerwart Blogs. Begeisterter Skandinavien-Fahrer, Angler und Medieninformatiker.

Kommentare

  1. Jürgen Lungwitz meint:

    Hallo zusammen,

    als Info von Heute:
    hier der Link zur Hessenschau von gestern Abend (3.12.2012).
    Es ging wieder um die Aale in der Lahn.
    Ob die Menschen es jetzt begriffen haben?

    http://www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/video_archiv5300.jsp?key=standard_document_46843113&jmpage=1&type=v&t=20121203&jm=4&mediakey=fs/hessenschau/121203195949_aal_7836

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