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Was tun bei Fischsterben?

Was tun bei Fischsterben?

Dieses Jahr machten wir ziemlich unvorbereitet die erste Bekanntschaft mit Fischsterben. Eine unangenehme Angelegenheit, denn mit jedem weiteren toten Fisch werden die Vereinsmitglieder unruhiger und warten auf Aufklärung. Deshalb hier ein paar Tipps, wie man mit Fischsterben gut umgeht.

Eines sei vorweg gesagt: Schadensbegrenzung durch Hilfsmaßnahmen oder gar den Einsatz von Medikamente sind in offenen Gewässern kaum möglich. Dennoch helfen die folgenden Schritte um die Ursache zu erkennen und dem Kind einen Namen zu geben.

Wie geht man vor?

1. Bestandsaufnahme

Wichtig ist zunächst alle wesentlichen Ereignisse und Fakten der Wochen und Monate vor und während des Fischsterbens chronologisch aufzulisten, um sich ein Überblick über die aktuelle Lage zu verschaffen:

  • Wasserwerte messen (Zuläufe nicht vergessen)
  • Krankheitssymptome und Verhalten betroffener Fische dokumentieren (auch Fotos und Videos)
  • Vorkommnisse am und im Gewässer dokumentieren (z.B. Fischbesatz, Bauarbeiten, Wetterverhältnisse etc.)
  • Dokumentation der Menge an toten Fischen und deren Art  (auch Fotos)

In Fließgewässern muss man schnell handeln, denn hier werden Fischsterben oftmals durch Einleitungen von Giftstoffen/Fäkalien verursacht und die sind meist nur kurzzeitig nachweisbar. Hier also nicht lange fackeln und schnell alle Fakten zur Beweissicherung zusammentragen.

2. Fachleute kontaktieren

In jedem Fall sollte man sich fachlichen Rat einholen und die entsprechenden Institutionen mit ins Boot holen. Dabei immer die Bestandsaufnahme in der Hinterhand behalten, denn Rückfragen auf die Situation am und im Gewässer werden mit Sicherheit abgefragt.

Für Fischsterben und -krankheiten gibt es drei Hauptanlaufstellen:

  • Angel- und Fischereiverbände (VDSF, DAV o.ä.)
  • Landeslabor für Fisch- und Wasseruntersuchungen (in Hessen: Fischseuchenbekämpfungsdienst)
  • Staatliches Veterinäramt

Speziell für unser Fließgewässersystem gibt es einen Notfallplan, der alle wichtigen Adressen beinhaltet. Vielleicht gibt es bei euch ähnliches?

3. Fische einschicken

Je nach Situation macht es Sinn einige Tiere zur Untersuchung ins Labor zu geben. Dafür ist in erster Linie wichtig, dass die zu untersuchenden Fische leben. Wenn also die Möglichkeit besteht, betroffene Fische in einem Hälterbecken zu hältern, sollte man das vorsichtshalber tun. Fische einzufrieren reicht für eine umfassende Untersuchung im Labor nicht aus.

Genaue Informationen zum Einschicken von Fischen findet man in den Merkblättern der Landeslabore – einfach mal im Internet suchen. Hier zwei Beispiele:

Sofort-Maßnahmen

Fischkrankheit

Wie eingangs erwähnt, ist man in vielen Fällen einfach machtlos und kann aktiv nichts an der Situation ändern. In der Teichwirtschaft oder kleinen Teichen mag es die ein oder andere Möglichkeit geben – beispielsweise das Belüften bei Sauerstoffmangel oder der Einsatz von Medikamenten. Doch in großen, naturnahen Gewässern ist es quasi unmöglich etwas zu unternehmen. Man kann lediglich auf milden Ausgang hoffen und etwas Schadensbegrenzung betreiben, indem man kranke/tote Fische entsprechend entsorgt – wobei selbst das nur kosmetischer Natur ist und das Freiwerden von Nährstoffen verringert.

Möchte man auf Nummer sicher gehen, kann das betroffene Gewässer übergangsweise für das Angeln gesperrt werden bis sich wieder Normalität eingestellt hat.

Ursache für Fischsterben

Gewässersysteme sind komplex und genauso komplex kann es sein die Ursache für ein Fischsterben zu finden. Es spielen viele Faktoren eine wichtige Rolle:

  • Wasserzusammensetzung
  • diverse Umweltbedingungen
  • Eingriffe durch den Menschen (z.B. Fischbesatz, Einleitung von Abwasser)
  • Kondition und Alter der Fische
  • Lebensbedingungen der Fische (z.B. Nahrungsangebot)
  • usw.

Ist der Grund für das Fischsterben nicht direkt erkennbar – wie bei Schmutzwasser-Einleitung oder Sauerstoffmangel – und alle weiteren Untersuchungen bleiben ebenfalls ergebnislos, wird es sehr schwer die genaue Ursache zu finden. Solche Fälle stempelt man für sich am besten als natürliche Selektion ab, um sich nicht ständig durch Spekulationen im Kreis zu drehen – das übernehmen ohnehin die Angelkameraden im Verein für die nächsten Wochen. 😉

Literatur

Nutzfische und Krebse - Lebensraum, Erkrankungen und TherapieWer sich selbst in Sachen Krankheitsbestimmung üben möchte, dem sei das Buch Nutzfische und Krebse – Lebensraum, Erkrankungen und Therapie empfohlen. Es ersetzt zwar nicht die Untersuchung im Labor, hilft aber die Krankheitsbilder vorab einzugrenzen.

Über Niklas


Gewässerwart im Angelverein seit 2010, Vorsitzender eines Gewässerschutz Vereins und Gründer des Gewässerwart Blogs. Begeisterter Skandinavien-Fahrer, Angler und Medieninformatiker.

Kommentare

  1. Hi Niklas,

    wieder eine schöne Zusammenstellung von dir. Eine kleine Ergänzung könntest du noch aufnehmen. Gerade bei Sauerstoffmangel ist man nicht machtlos (den haben wir auch ab und an, wenn ein Klärwerk überläuft), wenn dieser Fall eintritt kann die Feuerwehr hinzugezogen werden, die belüften das Gewässer mit ihren Pumpen und Schläuchen, so dass zumindest die akute Sauerstoffzehrung gemildert / behoben werden kann. Das kann für den Fischbestand einen sehr großen Unterschied machen.

    VG

    Thorsten

    • Gewässerwart meint:

      Hallo Thorsten,

      du hast Recht und das hatte ich auch im Kopf. Es ist immer schwer große und kleine, fließende und stehende Gewässer in so einem Bericht unter einen Hut zu bringen.
      Ich versuche es aber noch einzubauen - Danke für deinen Hinweis! 🙂

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