Die Webseite für Gewässerwarte von Gewässerwarten.
Praxistipps, Testberichte und Neuigkeiten für die Gewässerunterhaltung.

Ruhrgeschichten - Sommerbeginn

Ruhrgeschichten - Sommerbeginn

„Das Wasser ist niemals einsam.“ schrieb einst der Schriftsteller Elias Canetti. Wie wahr diese Worte sind, konnten mein Gewässerwartkollege und ich in den vergangenen Frühjahrs- und Sommermonaten sehr eindrucksvoll erleben, denn während der Monate April bis Juli war eine möglichst genaue Ermittlung der Artenvielfalt in unseren Hausgewässern (Ruhr und Vereinsteich) angesagt. Da wir hierbei auf diverse Wasserbewohner stießen, kann von Einsamkeit also keine Rede sein. 😉

Biologische Gewässeruntersuchungen & Krebsbestand

Zunächst führten wir dazu mehrere biologische Gewässeruntersuchungen mittels Sedimentproben durch. Wie in unseren Kindertagen standen mein Vereinskamerad und ich bis zu den Ellenbogen versunken im Schlamm um nach Kleinstlebewesen zu suchen. Die über 18 Stunden Probenentnahme, Sortieren der Lebewesen und Protokollieren der Zählung brachten eine Vielzahl an Lebensformen zum Vorschein, die wir in dieser Form niemals vermutet hätten. Insgesamt konnten wir 26 Arten ohne mikroskopische Hilfe ermitteln. Dabei faszinierte mich vor allem die enorme und komplexe Baukunst der Köcherfliegenlarven.

Zusätzlich zur Identifizierung und Zählung der Kleinstlebewesen wurden Krebsreusen ausgebracht. Eine etwas unangenehmere Überraschung brachte eine der Krebsreusen an unserem Vereinsteich zum Vorschein: Ein Roter Amerikanischer Sumpfkrebs. Als Krebspestüberträger wird diese Art mit großer Wahrscheinlichkeit für das Verschwinden der einst sehr guten Edelkrebsbestände in unserem Vereinsgewässer verantwortlich sein. Infolge dieser Feststellung mussten wir unseren auf einer vorweg gegangenen Vorstandsversammlung gestellten Antrag zur vollständigen Entnahme des Störbestands erstmal zurückstellen. Wir vermuteten bis dato einen starken Zusammenhang zwischen dem Besatz der Störe und dem beinahe zeitgleichen Verschwinden der Edelkrebse. Dadurch bestätigt sich einmal mehr die Tatsache, dass man viel zu häufig Entscheidungen trifft ohne sämtliche Aspekte beleuchtet zu haben.

Maßnahmen zum Fischbestand

Neben der Entnahme der Störe beinhaltete der besagte Antrag auch eine komplette Entnahme der Graskarpfen. Wie bekannt wirkt sich deren enormer Appetit auf Grünzeug meist sehr negativ auf ein Gewässer aus. Genau wie im Artikel Folgen von Graskarpfenbesatz beschrieben, zeigten sich identische Ergebnisse auch in unserem Fall: Von einer einst reichen Wasservegetation ist nichts mehr als eine von Algen geplagte Unterwasserwüste geblieben. Mittlerweile führt die „Effizienz“ der Grasfische sogar zu einer starken Unterernährung. Einer der Fische wies bei einer Körperlänge von 80 cm lediglich 5,5 kg an Körpergewicht auf. Die große Sorge unseres Vorstands, es könnte nach der Entnahme wieder zu einer starken Algenblüte kommen, konnte mit verschiedenen Argumenten wie den chemischen Wasserwerten, ökologischen Nachteilen des Graskarpfenbesatzes und dem angepassten Neubesatz von Rotfedern als zukünftigen „Algenvernichter“, weitestgehend genommen werden.

Zucht von geschützten Fischarten

Sehr freudig begrüßt wurde unser Antrag der Nutzung einer Kleinstwasserfläche auf unserem Vereinsgrundstück. Dieser kleine Teich wird nun im Laufe des Jahres wieder instand gesetzt und ab dem kommenden Herbst zur Aufzucht von Karauschen und Bitterlingen genutzt. Natürlich werden alle Habitatansprüche wie Fortpflanzungsmöglichkeiten und Nahrungsangebot für beide Fischarten erfüllt. Besonders hervorzuheben ist an dieser Stelle, dass der Bitterling die erste Besatzmaßnahme in der Vereinsgeschichte darstellt, die nicht primär auf die Fischerei ausgerichtet ist.

Wasserpflanzen tauchen auf

Anfang Juni gab es die nächste große Überraschung. Als ob unser Vereinsteich „spüren“ würde, dass wir ökologische Verbesserungen herbeiführen wollen, gab es die erste natürliche Unterstützung in Form von einer ersten, recht gut gewachsenen Pflanze Krausen Laichkrauts und einem Ableger des Pfennigkrauts. Diese Pflanzen wurden in einem ersten Schritt gegen Fraß durch noch vorhandene Graskarpfen mit Hilfe von Pflanzkübeln und Maschendraht geschützt. Durch diese Maßnahme entstand zusätzlich die Möglichkeit der besseren Kontrolle der Wasserpflanzen im Hinblick auf ein starkes Wuchern, das bereits vor über 10 Jahren unser Gewässer „heimgesucht“ hatte.

Alles in allem bringen die ersten warmen Monate zwar scheinbar weniger Arbeit für einen Gewässerwart mit sich. Dennoch sind auch diese wenigen Arbeiten sehr interessant und bringen wie immer viel Spaß mit sich! 🙂

Über Daniel


Frischgebackener Gewässerwart seit 2015 und passionierter Angler. Er berichtet in der Rubrik "Ruhrgeschichten" von seinen Erfahrungen als Einsteiger.

Deine Meinung ist uns wichtig

*