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Ruhrgeschichten - Erste praktische Schritte

Ruhrgeschichten - Erste praktische Schritte

Im letzten Artikel der Ruhrgeschichten berichtete ich über die ersten vorsichtigen Schritte, die mein Vereinskamerad und ich in unserem neuen Amt des Gewässerwarts machten. Hierbei ging es erst einmal um die Theorie, doch nun sollte auch die Praxis folgen. Nach den ersten 3 Monaten als Gewässerwarte konnten wir Erfolge, aber auch kleine Rückschläge erleben.

Die ersten großen Ziele, die wir uns gesteckt hatten, waren:

  • das Umstellen der Besatzpolitik,
  • die Umstrukturierung der Gewässer
  • sowie eine möglichst genauen Bestandserhebung unserer Gewässer.

Die größten Bauchschmerzen machte uns dabei die Änderung des jährlichen Besatzes. Jahrzehnte lang gleichbleibender und „bewährter“ Besatz sollte innerhalb von 2 Jahren in einen nachhaltigen Besatz umstrukturiert werden. Das alles ohne Gefahr zu laufen von unseren Vereinskameraden direkt gelyncht zu werden. 😉 Was also tun? Die Brechstangenmethode? Ein schleichender Prozess? Beides erschien uns nicht sehr sinnvoll und so kam uns bereits vor unserer Wahl die Idee – angeregt durch das Besatzfischprojekt IGB – unsere Kameraden direkt mit einzubeziehen. Aus Erfahrung wussten wir, dass eine offene Diskussion wenig Erfolg haben würde. Deshalb ließen wir noch am Abend unserer Wahl zum Gewässerwart eine vorgefertigte Umfrage austeilen, die viele ökologische und fischereiliche Fragen abdeckte. Entgegen der vereinsinternen Äußerungen – wie „Wir brauchen mehr Besatz!“ oder „Ist ja nichts mehr drin!“ – und zu unserer großen Überraschung ergab die Auswertung ein Ergebnis, das fast gänzlich unseren Vorstellungen eines naturnahen Angelgewässers entsprach. Unserem Konzept „Qualität statt Quantität zu Gunsten einer größeren Artenvielfalt“ stand somit nichts mehr im Wege – so dachten wir.

Einige Wochen später mussten wir den geplanten Hechtbesatz auf Drängen des Vorstand canceln. Die Sorgen um unsere Regenbogenforellen schien zu groß als dass man sich von genau recherchierten Fakten und Meinungen erfahrener Fachleute umstimmen ließe. Und so mussten wir zähneknirchend der Änderung Zander statt Hecht zustimmen.

Nachdem uns das frühlingshafte Wetter im März erreichte konnten wir mit der geplanten Umstrukturierung der Teichanlage beginnen.  Im ersten Schritt stand das Schaffen von nicht vorhandenen Unterständen und Laichmöglichkeiten sowie das Wiederansiedeln von Wasserpflanzen, die unserem Graskarpfenbesatz zum Opfer fielen, auf dem Plan.  Hierfür wurden stark verzweigte Äste eingebracht und ein Baum der eigentlich entfernt werden sollte kurzerhand gefällt. Erste vorsichtige Anpflanzungsversuche mit Schilf, Teichbinsen, Kalmus, Wasserschwertlilie und Sumpffarn wurden durchgeführt, mussten aber durch Drahtgestelle gegen Fraßschäden durch Grasfische geschützt werden.

Ruhrgeschichten - Tiefenmessung

An unserem zweiten Gewässer, der Ruhr, stand erst einmal eine genaue Bestandserhebung und Bewertung des Gewässers an. Hierfür waren neben einigen chemischen Wasseranalysen eine Erfassung der Tiefenstruktur geplant. Eine genau Tiefenkarte konnte nach über 5 Stunden Arbeit mit dem Echolot erstellt werden und zeigte eine große strukturelle Vielfalt auf. Dank der erhaltenen Daten vervollständigt sich das Puzzle nun ein Stück mehr und wir sind zuversichtlich bis zum Jahresende ein genaues Gesamtbild des Flusses und dessen Flora und Fauna zu erhalten.

Neben all den praktischen Arbeiten stand natürlich auch wieder viel Theorie auf dem Plan.  Erste Informationen zum Thema biologische Gewässeranalyse, Pacht-, Fischerei- sowie Wasserrecht wurden recherchiert und verinnerlicht. Gott, was haben uns die Köpfe geraucht! 🙂

Abschließend kann ich nur das unterstreichen, womit der letzte Bericht der Ruhrgeschichten endete: Die Arbeit als Gewässerwart bringt viel Freude und Interessantes mit sich, fordert aber auch einiges an Freizeit ein.

Über Daniel


Frischgebackener Gewässerwart seit 2015 und passionierter Angler. Er berichtet in der Rubrik "Ruhrgeschichten" von seinen Erfahrungen als Einsteiger.

Kommentare

  1. Hallo erst mal,

    erst mal eine sehr gut gelungene informative Seite. Ich benutze für die Erstellung der Tiefenkarten das Programm ReefMaster. Kennt oder benutzt ihr das auch? Oder hab ihr da etwas anderes?

    • Niklas meint:

      Hallo Björn,

      vielen Dank für das Lob. 🙂

      Soweit ich weiß, hat Daniel nur stichpunktartig Tiefen ausgelotet und händisch dokumentiert. Die Idee mit den Tiefenkarten geistert mir auch schon länger durch den Kopf. Allerdings wurde die Software, die ich dafür einsetzen wollte (Dr. Depth), vor ein paar Jahren vom Echolothersteller Humminbird aufgekauft und seitdem hat man nichts mehr davon gehört. Sehr schade, da die Software wohl recht gut war.

      ReefMaster habe ich mir mal angeschaut. Sieht vielversprechend aus. Sofern du schon mal ein Gewässer damit erfasst hast, wäre es sicher für viele Gewässerwarte hilfreich zu wissen, wie das ganze funktioniert. Melde dich doch einfach mal.

  2. Hallo Hauke,

    erst einmal Danke für das Lob!

    Der traditionelle Regenbogenforellenbesatz ist z.Z. leider das einzige effektive Mittel die Mitglieder zufrieden zu stimmen. Ich hoffe hier auf einen Umschwung sobald die ersten Fänge von Großbarsch und Zander im Herbst verzeichnet werden können.

    Solch eine Schulungsmaßnahme ist bereits in Planung. Um der ganzen Sache aber noch etwas mehr "Glaubwürdigkeit" zu verleihen warten wir damit bis nach unserem Gewässerwartelehrgang im November.

    Grüße

    Daniel

  3. Hauke meint:

    Super Arbeit!

    Offensichtlich gibt es überall die selben "Probleme".
    Die Besatzmassnahmen mit fangfähigen Fischen haben den Leuten suggeriert, dass dies die einzige Möglichkeit auf Fangerfolg ist.
    Die Idee mit der Umfrageaktion ist clever.
    Hechtbesatz wäre in eurem Fall (fehlende Unterstände/Laichplätze) vermutlich sinnvoll, der Besatz mit Regenbognern ist vermutlich alte Tradition und ob der Besatz mit Zandern Erfolg bringt ist ja auch fraglich. Aber ich gehe davon aus, dass ihr das im Blick habt. Ein "Versagen" des Zanders wäre immerhin das Argument schlechthin für Hecht.

    Mein Tipp:
    Führt doch mal statt einer "offenen Gesprächsrunde" eine "Schulungsmaßnahme" durch.
    Bastelt eine kleine Powerpoint-Präsentation und stellt sie den Leuten vor.

    Weiter so!

    Hauke

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