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Richt- und Grenzwerte für die Wasseranalyse

Richt- und Grenzwerte für die Wasseranalyse

Hat man erst mal ein paar Messwerte mit der chemisch-physikalischen Gewässeruntersuchung zusammengetragen, möchte man natürlich wissen, was die gesammelten Zahlen bedeuten. Als Laie sitzt man dann schnell vor seinen Aufzeichnungen und fragt sich…

Welche Messwerte sind denn jetzt gut und welche schlecht?

Da wohl die meisten Gewässerwarte keine ausgebildeten Wasserchemiker sind, wird es schwer diese Frage aus dem Stegreif zu beantworten. Man benötigt also Hilfe – am besten ein Nachschlagewerk.

In der Literatur findet man (leider nur wenige) Werke, die Richt- oder Grenzwerte liefern. Hier findet ihr die wichtigsten Wasserparamater als Anhaltspunkte aus der EU-Fischgewässerrichtlinie sowie Veröffentlichungen von Günter Jens und Martin Bohl.

Richtlinie der EU

RICHTLINIE 2006/44/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES

vom 6. September 2006 über die Qualität von Süßwasser, das schutz- oder verbesserungsbedürftig ist, um das Leben von Fischen zu erhalten

Die EU-Fischgewässerrichtlinie ist aktuell die einzige Richtlinie die in gesetzlichen Verordnungen der deutschen Bundesländer übernommen wurde (Stichwort: Fischgewässerverordnung). Sie gilt für sogenannte „Fischgewässer“, die in den Fischgewässerverordnungen als solche ausgewiesen sind. Diese Gewässer werden weiter in zwei Bewertungsklassen aufgeteilt – Salmoniden- und Cyprinidengewässer.

EU-Fischgewässerrichtlinie downloaden

Salmonidengewässer (Auszug)

Parameter Formel Einheit Richtwert Grenzwert Anteil [%]
Gelöster Sauerstoff O2 mg/l ≥ 9 ≥ 9 50
≥ 7 100
pH 6 – 9
Phosphat PO4 mg/l 0,2
Nitrite NO2 mg/l ≤ 0,01
Ammoniak NH3 mg/l ≤ 0,005 ≤ 0,025
Ammonium NH4 mg/l ≤ 0,04 ≤ 1

Cyprinidengewässer (Auszug)

Parameter Formel Einheit Richtwert Grenzwert Anteil [%]
Gelöster Sauerstoff O3 mg/l ≥ 8 ≥ 7 50
≥ 5 100
pH 6 – 9
Phosphat PO4 mg/l 0,2
Nitrite NO2 mg/l ≤ 0,03
Ammoniak NH3 mg/l ≤ 0,005 ≤ 0,025
Ammonium NH4 mg/l ≤ 0,2 ≤ 1

Richtwerte nach JENS

Jens, Günter: Die Bewertung der Fischgewässer. Maßstäbe und Anleitungen zur Wertbestimmung bei Nutzung, Kauf, Pacht und Schadensfällen. 2 Auflage. Verlag Paul Parey: Hamburg und Berlin. 1980

Die Richwerte von Günter Jens stammen zwar eher aus der Teichwirtschaft, geben aber dennoch gute Anhaltspunkte für die Beurteilung der Gewässergüte.

pH-Wert

Bewertung
0 – 5,0
Lebensfeindlich.
5,0 – 5,5
In Fließgewässern kritisch, nach Niederschlägen und Schneeschmelze besteht die Gefahr der weiteren Erniedrigung des pH-Wertes (Säurefischsterben!). Wenig fruchtbar.Unfruchtbare (dystrophe) Seen.Fischteiche müssen regelmäßig und sehr gründlich gekalkt werden.
5,5 – 6,0
Noch kritisch wie bei 5,0 – 5,5.
6,0 – 7,0
Leicht sauer, aber schon fruchtbarere Gewässer.Teiche noch kalkbedürftig, besonders wenn das Säurebindungsvermögen (siehe unten) noch unter 0,5.
7,0 – 7,5
Günstig.
7,5 – 8,5
In Fließgewässern ohne Verunreinigungen günstig bis sehr günstig. In stehenden Gewässern Gefahr der Wasserblüte und weiterer pH-Erhöhung mit Gefährdung der Fische, besonders der Uferregion.
8,5 – 9,5
Fließgewässer bedingt geeignet für Fischbesatz.Stehende Gewässer ungeeignet.
9,5 – 14
Lebensfeindlich.

Säurebindungsvermögen (SBV)

ml nHCl/l
Bewertung
0 – 0,5
Wenig fruchtbar, aber auch kaum verunreinigt.
0,5 – 1,0
Nicht unfruchtbar.
1,0 – 2,5
Sehr günstig, wenn nicht durch Abwässer bedingt.
über 2,5
Fruchtbar, aber in den meisten Gewässern durch Abwässer so hoch. Vereinzelte saubere Kalkflüsse haben natürlicherweise ein Säurebindungsvermögen bis 8,0 und darüber. In stehenden Gewässern starke Neigung zur Wasserblüte und zur ungünstigen pH-Wert-Erhöhung bei Sonneneinstrahlung.

Sauerstoffgehalt (O2)

mg/l
Bewertung
0 – 6
Als Fischgewässer nicht geeignet.
6 – 8
Nur für anspruchslose Fischarten geeignet. In Teichen bedenkliches Zeichen der Überdüngung, Verschlammung oder spontaner Verunreinigung. Auch Überbesetzung. Auch in allen anderen Gewässern Kennzeichen der Verunreinigung.
8 – 10
Im Sommer nicht ungünstig. Im Winter gerade noch ausreichend.
10 – 15
Günstig.
über 15
Oft schon Sauerstoffübersättigung, besonders im Sommer. Unter Umständen sind zwischen Tag und Nacht starke Schwankungen des Sauerstoffgehaltes zu erwarten (siehe auch Säurebindungsvermögen über 2,5), was besonders in Teichen nachteilig werden kann.

Sauerstoffdefizit

100% – Sättigungswert
Bewertung
0 – 20
Noch günstig. Für Fische geeignet.
20 – 40
Schon verunreinigt. In Teichen auch nächtliche Sauerstoffzehrung durch Wasserblüte. Für Fischerei noch bedingt geeignet.
40 – 60
Stark verunreinigt. Für Fischerei kaum noch geeignet (siehe auch „Sauerstoff“ bei 6 – 8 mg/l).
60 – 100
Sehr stark verunreinigt. Keine Fischerei.

Ammonium (NH4)

mg/l
Bewertung
0 – 0,1
Keine Einschränkungen.
0,1 – 0,3
Es liegt zumeist eine schwache organische Verunreinigung vor, sie rührt bei kleineren Gewässern manchmal allein von Düngemaßnahmen im Einzugsgebiet her.
0,3 – 0,5
Merkliche, zumeist organische Verunreinigung durch Abwassereinleitungen. Sie läßt zeitweilige stärkere Abwasserstöße befürchten. Vorsicht bei der Anlage von Fischteichanlagen.Nur in Teichen mit starker Fütterung finden sich diese Werte „natürlicherweise“.-In größeren Flüssen noch unbedenklich.
0,5 – 1,0
Bedenklich.
über 1,0
Für Fischereizwecke nicht geeignet.

Wasserqualitätskriterien nach BOHL

Bohl, Martin: Zucht und Produktion von Süßwasserfischen. DLG-Verlag: München. 1982

Auch Martin Bohl unterscheidet zwischen Salmoniden und Cypriniden. Diese Trennung stammt aus der Teichwirtschaft, die hauptsächlich diese beiden Fischfamilien hervorbringt.

für Salmoniden

Parameter
Werte/Konzentration
Bemerkungen
Wassertemperatur
9 – 17 °C
12 – 16 (optimal)
pH-Wert
6,5 – 8,0
um 7 (optimal)
schwach sauer >6,5 günstig für intensive Produktion
Sauerstoff (O2)
9,2 – 11,5 mg O2/l
um Sättigungswert
Ammoniak (NH3)
0,01 bzw. 0,02 mg/l
0,005 mg/l
für Brut
Nitrit (NO2)
0,1 mg/l
0,2 mg/l
0,04 mg/l
in weichem Wasser
in hartem Wasser
in Kreislaufanlagen
Nitrat (NO3)
100 mg/l
Kohlendioxid (CO2)
25 mg/l
10 mg/l
(EIFAC)
für Brut

für Cypriniden

Parameter
Werte/Konzentration
Bemerkungen
Wassertemperatur
18 – 24 °C
16 – 26 °C
 
als noch günstig
pH-Wert
6,5 – 8,5
Sauerstoff (O2)
5 – 9 mg/l
(4 mg/l)
sollten nicht unterschritten werden
Säurebindungsvermögen (SBV)
>0,5 mmol/l
besser 1,5 und darüber
Nitrit (NO2)
0,06 – 0,1 mg/l
Ammoniak (NH3)
0,02 mg/l

Über Niklas


Gewässerwart im Angelverein seit 2010, Vorsitzender eines Gewässerschutz Vereins und Gründer des Gewässerwart Blogs. Begeisterter Skandinavien-Fahrer, Angler und Medieninformatiker.

Kommentare

  1. Schmidlechner Hermann meint:

    Sehr geehrte Damen und Herren!

    Danke für die Grenzwerttabellen! Ich betreibe ein Naturseegewässer mit moorigem Wasser. Es befinden sich Karpfen Hechte Aale und Welse im Gewässer. Weiter natürlich Schleie und Rotfedern so wie Lauben.

    Wir hatten Anfang November ca. 200kg fangfertige Hechte mit einer Durchschnittslänge von 70cm eingesetzt. Die Hechte waren in einem 1A Zustand die Wassertemperaturen unterschieden sich nur um 2/10°C. Nach einem Monat fanden wir die ersten toten Hechte, sie waren gut genährt. Einige hatte scheinbar eine Kiemenpilz!
    Nach genauer Durchsicht der Wasseranalysen stellte ich eine NH4-N Wert von Durchschnittlich 0,5mg/l fest. Bei 4m Tiefe eher 0,6g/l!! Komisch ist, dass keinerlei andere Gattungen ums Leben kamen. Der Durchschnittliche PH-Wert liegt bei 8,3!

    Können Sie mir anhand der Analysenwerte und anhand der toten Hechte eine mögliche Ursache des Fischsterbens nennen?

    LG
    Fischereischutzorgan
    Schmidlechner Hermann

    • Hallo Hermann,

      erst mal mehrere Nachfragen zu den Messwerten:
      Waren es bei 4 Meter Wassertiefe wirklich 0,6g/l?
      Wurden auch Parameter wie Nitrat und Ammoniak gemessen?

      Des Weiteren halte ich ein Hechtbesatz generell und dann noch mit nahezu ausgewachsenen Fischen für nicht sinnvoll, wenn bereits ein Hechtbestand vorhanden ist. Wenn überhaupt, würde ich den Besatz mit Jungfischen vorziehen, zumal ihr mit ausgewachsenen Tieren sicher auch finanziell tiefer in die Tasche greifen musstet.

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