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Renaturierung kleiner Fließgewässer mit ökologischen Methoden

Renaturierung kleiner Fließgewässer mit ökologischen Methoden

In diesem Artikel stelle ich euch das Buch Renaturierung kleiner Fließgewässer mit ökologischen Methoden – Anleitung zum konkreten Handeln von Werner H. Baur vor. Es verspricht neue, einfach umsetzbare und kostengünstige Methoden um einen naturnahen Zustand an unseren Bächen wieder herstellen zu können.

Buchdaten

  • Autor: Werner H. Baur
  • Gebundene Ausgabe: 95 Seiten
  • Erscheinungsdatum: 2013
  • Verlag: LFV BW Verlag & Service GmbH Stuttgart; Auflage: 1.
  • ISBN: 978-3-944691-00-8
  • Preis: 10,90€
  • Bezugsquelle: www.lfvbw-verlag.de

Inhalt

Kapitel 1 – Kleine Fließgewässer: Geschundene Lebensräume

Einleitend beginnt Werner H. Baur mit einer Beschreibung des aktuellen Zustands unserer Fließgewässer. Dabei geht er besonders auf bestehende Strukturdefizite und das daraus hervorgehende Verbesserungspotential ein. Er plädiert für Diversität und vielfältige Gewässerstrukturen, die Lebensräume für die unterschiedlichsten Tier- und Pflanzenarten bieten.

Kapitel 2 – Die Rechtsgrundlagen für Verbesserungen

Im zweiten Kapitel werden alle wichtigen Rechtsgrundlagen zusammengefasst, die die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Umbauten an Gewässern schaffen. Dazu zählen unter anderem die Wasserrahmenrichtlinie der EU (WRRL), das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) und die Wassergesetze der Länder (WG).

Kapitel 3 – Ökologie kontra Technik

Renaturierung kleiner Fließgewässer mit ökologischen Methoden - Störsteine

Schon wenige Störsteine erzeugen Düseneffekt und spülen Kies sauber (Foto: Werner H. Baur)

In Kapitel 3 bemängelt Herr Baur die aktuell vorherrschenden Vorgehensweisen bei Renaturierungsprojekten. Er wendet sich dabei komplett vom Wortlaut der Renaturierung ab und macht klar, dass die romantische Vorstellung von ursprünglicher, „echter“ Natur in unserer Kulturlandschaft nicht komplett wiederherstellbar ist. Es sei lediglich ein naturnaher Zustand mit ökologische Aufwertungen umsetzbar:

Auf den Punkt gebracht: Menschen können Natur nicht machen! Wir können also aufhören mit dem Anspruch, Fließgewässer renaturieren zu wollen; dieser Anspruch ist nicht einlösbar! Menschen können bestenfalls Fließgewässer ökologisch aufwerten[…]. Aber „Natur“ ist das meist trotzdem nicht!

Weiterhin zeigt er auf, dass bisher gängige Renaturierungsmaßnahmen zwar oft hohe Investitionen forderten, gleichzeitig aber zu technisch geprägt seien und dadurch ihren eigentlich Sinn – nämlich naturnahe Lebensräume zu schaffen – weit verfehlen. Bäche verlieren durch standardisierte Bauweisen ihren regionalen Charakter und werden ohne Berücksichtigung der lokalen Gegebenheiten zu künstlichen Einheitsbächen umgebaut.

Kapitel 4 – Der ökologische Ansatz: Veränderungsdynamik nutzen

Sein Verbesserungsvorschlag für eine bessere Praxis und eine effektivere Varianten den naturnahen Zustand – vornehmlich an Bächen des Berg- und Hügellandes – zu erreichen, folgt in Kapitel 4:

Nicht machen, sondern machen lassen: Bauweise Null

Anhand bebilderter Praxisbeispiele wird deutlich, dass der Schlüssel zum Erfolg in der Veränderungsdynamik des Gewässers liegt. Diese müsse man sich nur zu Nutze machen, indem man die potentiell vorhandene Eigendynamik durch kleine Baumaßnahmen aktiviert und unterstützt. Die Folgearbeit übernimmt der Bach dann für sich selbst.

Kapitel 5 – Die Möglichkeiten: Anleitung zum konkreten Handeln

Renaturierung kleiner Fließgewässer mit ökologischen Methoden - Stammbuhne

Stammbuhne initiiert Mäander und formt Kiesbank (Foto: Werner H. Baur)

Nachdem alle Grundlagen in den Kapiteln 1-4 prägnant und unkompliziert erläutert wurden, zeigen konkrete Praxisbeispiele, mit welchen einfachen Mitteln das Gelernte in der Praxis umsetzbar ist. Exemplarische Bilder von Gestaltungsmaßnahmen am Sulzmoosbach in Baindt zeigen eindrucksvoll, wie sich positive Veränderungen bereits in kürzester Zeit einstellen – und das ohne großen Bauaufwand und hohe Kosten (siehe Abbildung Stammbuhne).

Kapitel 6 – Gedanken zum Verfahren

Zum Abschluss gibt Herr Baur noch einige grundlegende Tipps zum Projektmanagement von Renaturierungsvorhaben. Dazu zählen:

  • Ratschläge zum Umgang mit den Beteiligten
  • konkrete Finanzierungsmöglichkeiten
  • Sicherheitsaspekte am Gewässer
  • Öffentlichkeitsarbeit

Aufbau & Gestaltung

Insgesamt ist das Buch sehr gut strukturiert und klar formuliert – auch für den Laien leicht verständlich, mit wenigen Fachausdrücken, die entsprechend erläutert werden. Eingestreute Fragen an den Leser regen zum Mitdenken an und fördern automatisch einen gedanklichen Vergleich mit dem Bach vor der Haustür. Durch Fettdruck werden wichtige Schlagwörter im Text hervorgehoben, was der Übersicht dient und beim späteren Nachschlagen hilfreich ist. Viele Beispielfotos untermalen das Geschriebene, lockern den Text auf und tragen sehr zum Verständnis bei.

Fazit

Man merkt sofort, dass Herr Baur ein erfahrener Praktiker ist. Es gelingt ihm, das Grundlagenwissen auf das Wesentliche zu reduzieren, Zusammenhänge plausibel darzustellen und die Zielsetzungen für zukünftiges Handeln klar zu definieren. Besonders durch die praxisbezogenen Inhalte und konkreten Handlungsempfehlungen für Renaturierungsprojekte ist das Buch für Gewässerwarte, Hegegemeinschaften und Projektplaner von Gewässerumbauten ohne Einschränkungen zu empfehlen. Für knapp 11€ bekommt man auf gut 90 Seiten einiges an nützlichen Informationen geboten – Pflichtlektüre.

Über Niklas


Gewässerwart im Angelverein seit 2010, Vorsitzender eines Gewässerschutz Vereins und Gründer des Gewässerwart Blogs. Begeisterter Skandinavien-Fahrer, Angler und Medieninformatiker.

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