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Praxistipps Fischbesatz

Praxistipps Fischbesatz

Besatz ist in jedem Angelverein ein wichtiges Thema – für manche Angelkameraden sogar das wichtigste, denn sie verbinden mit hohen Besatzzahlen immer auch größere Erfolgschancen beim Angeln. Als Gewässerwart ist man davon natürlich unmittelbar betroffen: Man sieht sich oft mit Aussagen über vermeintlich schlechten Fischbestand konfrontiert, die mit den verschiedensten Aussagen begründet werden. Hier heißt es:

Kühlen Kopf bewahren und die Situation sachlich einschätzen.

Viele Forderungen nach (erhöhtem) Besatz beruhen meist auf eigenen Interessen oder subjektiven Einschätzungen. Oftmals wird aber verkannt, was unter der Wasseroberfläche tatsächlich passiert und welche Mengen an Fisch ein Gewässersystem überhaupt verkraftet. Besatz auf gut Glück oder nur um höhere Fangchancen zu haben, kann ohne Planung schnell kontraproduktiv werden und zukünftig auch nicht die Lösung sein. Verbuttung, schlechte Wasserwerte und Fischkrankheiten sind nur drei Beispiele, die ihren Ursprung in falscher Besatzpolitik haben können. Daher:

Weg von traditionellem Besatz, hin zu durchdachten Besatzkonzepten.

Notwendigkeit & Besatzziele

Ganz zu Beginn sollte man erst mal feststellen, ob überhaupt die Notwendigkeit für Besatz besteht und welche Alternativen es gibt. Fischbesatz ist nicht das einzige Mittel um einen vermeintlich guten Fischbestand aufzubauen.

Literatur

Sofern denn Besatz notwendig wird, sollte man genaue Besatzziele festlegen und verfolgen. Hilfestellung zur Planung und praktischen Umsetzung bieten das Buch Gute fachlische Praxis fischereilischer Besatzmaßnahmen vom VDFF  und die Broschüre Fischbesatz in angelfischereilich genutzten Gewässern vom LFV Bayern.

Wahl des Zuchtbetriebs

Fischzucht für FischbesatzSobald die Besatzplanung steht, geht es an den praktischen Teil. Zuerst benötigt man logischerweise Fische. Dafür hat man zwei Möglichkeiten: Entweder man züchtet sie in Eigenregie oder man arbeitet mit einem Zuchtbetrieb zusammen. Die meisten Vereine beziehen ihre Tiere von Fischzuchten – verständlich in Anbetracht der anfallenden Arbeit oder mangelnder Infrastruktur.

Allerdings gibt man damit auch viel Verantwortung aus der Hand und muss einen vertrauenswürdigen Züchter finden. Um die passende Fischzucht zu finden und von Anfang an Probleme zu vermeiden, sollte man sich bei der Auswahl des Betriebs folgende Fragen stellen:

  • Welcher Besatzstamm wird zur Zucht verwendet? Können ggf. eigene Laichfische verwendet werden?
  • Werden Eier/Fische zugekauft? Wenn ja, woher stammen diese? (Stichwort: Auslandimport)
  • Wie sind die Lebensbedingungen im Zuchtbetrieb? (evtl. Beisichtigung der Anlage)
  • Wie und welches Futter wird gefüttert?
  • Welche Medikamente werden eingesetzt? (z.B.: Antibiotika)
  • Ist der Zuchtbetrieb seuchenfrei? (Bescheinigung durch Veterinäramt)

Man sieht, der Preis steht zunächst nicht im Vordergrund. Dieser wird erst zum Schluss in Relation zu den oben genannten Bewertungskriterien gestellt, denn:

Kommerzielle Fischzuchten arbeiten – wie jedes andere Unternehmen auch – nach wirtschaftlichen Maßstäben.

Wer also billig Besatzfische kauft und sich über ein „Schnäppchen“ freut, muss davon ausgehen, dass mindestens eine der oben aufgeführten Fragen nicht zufriedenstellend beantwortet werden kann.

Kosten vergleichen ja, aber nicht geizen.

Entnahme

Fischbesatz KescherIm Idealfall ist man schon bei der Abfischung der Besatzfische vor Ort und kann bereits hier deren Qualität überprüfen. Optische Anzeichen schlechter Qualität sind:

  • deformierte/ausgefranste Flossen (meist Rücken- und Brustflossen)
  • unnatürlichen Körperproportionen
  • deformierter Körperbau (z.B. Wirbelbrüche)
  • unnatürliches Verhalten, gestörte Bewegungsmuster
  • Erkrankungen und Parasitenbefall

Transport

Beim Transport ist nicht all zu viel zu beachten. Dieser wird in der Regel vom Züchter übernommen, denn er verfügt über die entsprechenden Transportbehälter, Fahr- und Werkzeuge. Primär ist hier auf ausreichende Sauerstoffzufuhr zu achten, die über Sauerstoffflaschen geregelt wird. Außerdem sollten die Fahrtzeiten natürlich möglichst kurz gehalten werden und Faustregeln für Menge und Artenzusammensetzung in den Behältern beachtet werden.

Wer hier noch etwas tiefer einsteigen will, dem sei die Broschüre Praktische und rechtliche Aspekte beim Fischtransport der Bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft empfohlen.

Besatz

Fischbesatz

Wenn keine Möglichkeit bestand die Fische bereits beim Beladen des Transporters zu inspizieren, sollte das spätestens beim Entladen am Gewässer passieren (siehe Kriterien Entnahme). Immerhin handelt es sich bei den Fischen um ein „gekauftes Produkt“, das man in ein bestehendes Ökosystem entlässt und dessen Gesundheitszustand optimal sein muss.

Ist dies der Fall und die Fische sind in guter Verfassung, können sie an geeigneten Uferbereichen ins Gewässer entlassen werden. Hier besteht kein Zeitdruck, denn die Fische müssen sich zunächst durch einen Wasseraustausch an die Temperatur und die chemische Zusammensetzung des Wassers gewöhnen, bevor sie schließlich ins Gewässer entlassen werden können.

Fazit

Fischbesatz ist ein großer Eingriff ins Gewässersystem, muss gut geplant sein um Folgeschäden zu verhindern und darf nicht allein zur Verbesserung anglerischen Fangerfolgs dienen.

Über Niklas


Gewässerwart im Angelverein seit 2010, Vorsitzender eines Gewässerschutz Vereins und Gründer des Gewässerwart Blogs. Begeisterter Skandinavien-Fahrer, Angler und Medieninformatiker.

Kommentare

  1. Just, Marcel-Michael meint:

    Hallo Niklas,
    Deine Kommentare zum Besatz sind sehr gut. Wenn du Gewässerwart bist, dannsollte keine kann sondern eine muss Bestimmung über die Abgabe der Fanglisten stattfinden. Ich selbst bin seit mehr als 50 Jahre Angler und Taucher. Leider auch aus Tauchersicht muss man wirklich sagen das aus Ökologischersicht viele Angelvereine sicht nicht um die gepachteten Gewässer wirklich kümmern. Selbst erstellte Gutachten sind in deren Augen alles unwahr.
    Lasst Taucher die sich auch mit Gewässerökologie auskennen einmal Jährlich die Gewässer kontrollieren und den Besatz bestand prüfen.
    MfG Marcel

  2. Anton Huber meint:

    Hallo Niklas,
    der Artikel ist grundsätzlich gut gemacht. Allerdings bin ich über den Part mit den Pufferfischen gestolpert.
    Das entspricht sicher nicht der guten fachlichen Praxis. Ich kenne den Unfug auch von den ,alten Hasen '. Zum einen konnte mir noch Keiner erklären wie er seine Weißfische überredet sich brav zwischen die Zander zu stellen, zum anderen ist das, wenn man unterstellt, dass es funktioniert mit einem vernünftigen Tierschutz nicht vereinbar. Man würde ja quasi die Pufferfische opfern.

    Liebe Grüße
    Toni

  3. Ein Ewiges Thema.

    Viele Angler denken ja tatsächlich, dass man nur das fangen kann, was besetzt wird. Man sollte sich vllt. Auch die Frage stellen: wieviele Angler pro ha Wasserfläche.
    Denn: Mitglieder "verlangen" Fänge!

    Daher würde es mich in der Tat interessieren wie hoch der Angeldruck für eine fachgerechte Bewirtschaftung sein darf

    • Amen!

      Hauke, du sprichst mir aus der Seele!
      Genau diese Idee bin ich schon sehr oft im Kopf durchgegangen. Ein Gewässer hat ein bestimmtest "Produktionsvermögen" und dementsprechend können die Fangvorstellungen der Angler befriedigt werden. Für mich ist genau dein Gedankengang die logische Folge: Man vergibt Fangkarten in begrenzter Zahl, so wie es für das Gewässer vertretbar ist.

      Es gibt Angelvereine die das sicher schon so handhaben, aber die meisten werben ja quasi mit den Angellizenzen und möchten möglichst hohe Einnahmen haben. Mit mehr Mitgliedern steigt wiederum der Druck (auf den Gewässerwart) zu mehr Besatz und dieser wird dann wieder zu Lasten des Gewässers durchgeführt - man möchte ja jedes zahlende Mitglied zufrieden stellen. Ein Teufelskreis.

      Die maximale Anzahl an Anglern pro Gewässer wäre in der Praxis vermutlich so individuell wie das Gewässer selbst. Eine Art Leitfaden oder ähnliches auszuarbeiten, fände ich eine extrem spannende Sache und vielleicht der erste Schritt um das Bewusstsein in den Vereinen zu fördern.

  4. Wenn man die Mitglieder fragt, sind sowieso immer zu wenig Fische im Wasser, von daher rate ich Besatz und Entnahme der letzten Jahre in Excel Tabellen auszuwerten.
    Da man auch oft nur wenig Fangmeldungen der Mitglieder bekommt, muss man die Ergebnisse hochrechnen. Bei uns reichen etwa 50 % der Mitglieder die Fangmeldung ein.

  5. Sehr schöne informative Seite!

    Ich habe da mal eine Frage: Wie viel Fisch (Karpfen, Schleie, Hecht, Zander) dürfen pro ha Wasserfläche besetzt werden und wann wäre der richtige Zeitpunkt dafür?

    Mfg Marcel

    • Gewässerwart meint:

      Hallo Marcel,

      erst ein mal herzlichen Dank für dein Lob! 🙂

      Zu deiner Frage: Das kann man so pauschal leider nicht sagen ohne das Gewässer zu kennen. Aber deine Frage ist nicht unberechtigt, für Gewässerwarte sicher nicht uninteressant und sogar einen eigenen Artikel wert, Daher wandert das Thema sofort auf meine Entwurfsliste. 😉

      Ich lege dir aber vorab das oben bereits genannte Buch Gute fachliche Praxis fischereilicher Besatzmaßnahmen ans Herz.

      Falls du akut einen Rat brauchst melde dich doch bitte über das Kontaktformular bei mir.

  6. Ich stimme dem Artikel voll zu. Vor allen Dingen in Fließgewässern, das sind ja natürliche Lebensräume, sollte Besatz nur unter wissenschaftlich fundierter Beratung erfolgen. Im Wald setzt man ja auch keine Hirsche aus, weil man sie schießen will!!

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