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Kiesdepots anlegen

Kiesdepots anlegen

Intakte Fließgewässer winden sich mäandrierend durch die Auen und tragen durch die Eigendynamik des Wassers kontinuierlich Ufermaterial aus ihrer Umgebung ab. Dabei wird neben Biomasse auch Gestein – Sand, Kies und Geröll – abgetragen, das im Flussbett diverse Lebensräume für Fische und Kleinstlebewesen schafft. Betrachtet man allein die Tiergruppe der Fische, benötigen hiervon viele Arten festen Kiesgrund zur Fortpflanzung. Salmoniden, Neunaugen und einige Cypriniden legen ihre Eier auf oder in kiesigen Grund ab, wo sie bis zum Schlupf verweilen.

Kies als Substrat fehlt

Begradigte Fließgewässer sind gegenüber dem natürlichen Leitbild durch befestigte Uferstrukturen in ein festes Gewässerprofil und einen vorgegeben Flusslauf gezwängt. Dadurch sind sie von natürlichen Substratquellen abgeschnitten und das Flussbett weist nur wenig strukturelle Abwechslung auf. Kein Wunder also, dass Kieslaicher – wie beispielsweise die Bachforelle – hier keine geeigneten Laichplätze mehr finden.

Abhilfe durch Kiesdepots

Kiesdepot

Der grundlegende Verbesserungsansatz liegt auf der Hand: Rückbau der Begradigung, so dass der Fluss wieder natürlich vorkommenden Kies abgraben kann. Doch das ist leider nicht mehr überall möglich. In innerörtlichen Gewässerbereichen beispielsweise lassen Gebäude und Straßen einen umfassenden Rückbau aus Gründen des Hochwasserschutzes nicht zu. Das heißt aber nicht, dass in solchen Fällen keine Verbesserung der Gewässerstruktur möglich ist. Hier sind sogenannte Instream-Maßnahmen das Mittel der Wahl, zu denen auch das Anlegen von Kiesdepots zählt. „Instream“ bedeutet, dass Umstrukturierungen nur innerhalb des bestehenden Gewässerprofils durchgeführt werden und aufgrund ihrer geringen Einbauhöhe keinen signifikanten Effekt auf den Hochwasserabfluss haben.

Was ist ein Kiesdepot?

Kiesdepots sind punktuell eingebrachte Kiesschüttungen, die im Laufe der Zeit durch den Strömungsdruck über die Gewässersohle verteilt werden und flächige Kiesbänke ausbilden. Quasi ein Reservoir an Kies, das der Fluss nach und nach abschöpft. Gleichzeitig dienen sie als Strömungslenker und verbessern die monotonen Strömungsverhältnisse im begradigten Flusslauf.

Planung

Kiesdepot anlegen

Kosten

Kiesdepots haben den großen Vorteil, dass sie sehr einfach und kostengünstig umzusetzen sind. Ihr müsst nicht aktiv dafür sorgen, dass die Steine verteilt werden, sondern überlasst diese Arbeit der Eigendynamik des Gewässers. Dadurch sinken die Einbaukosten schon mal enorm. Wenn der Einbau dann noch von Vereinsmitgliedern übernommen wird oder als Spende von ortsansässigen Bauunternehmen durchgeführt wird, spielen die Einbaukosten kaum noch eine Rolle.

Die Hauptkosten fallen für das Material an. Unsortierter Kies ist günstiger als gesiebter oder gewaschener. Allerdings müsst ihr dann genau auf die Zusammensetzung achten – dazu mehr unter „Material“. Ein Beispiel aus der Praxis: In unserer Region bietet eine Sandgrube unsortiertes Kies-Sand-Gemisch für rund 6€ pro Tonne an. Gesiebtes Material gibt es für etwa 12€/t.

Die Transportkosten sind schwer zu beziffern, weil abhängig vom Fuhrunternehmen. Hier hilft nur das Vergleichen mehrerer Angebote.

Finanzierung

Wenn ihr selbst nicht über genügend finanzielle Mittel verfügt, habt ihr die Möglichkeit euer Projekt über Spenden und Förderprogramme (z.B. Fischereiförderung) zu finanzieren. Wider Erwarten stellen viele Firmen und Institutionen größere Summen für Naturschutzprojekte bereit. Achtet hierbei auf Förderauflagen und eine plausible Darstellung eures Vorhabens.

Vorsicht bei Spenden: Nicht-gemeinnützige Vereine müssen Spendengelder versteuern.

Absprache mit Beteiligten

Wichtig bei der Vorbereitung des Projekts: Ihr müsst auf jeden Fall alle zuständigen Behörden und Beteiligten ins Boot holen. Das sind:

  • Untere Wasserbehörde
  • Unterhaltungsverband
  • Gemeinde- bzw. Stadtverwaltung
  • Pächter
  • ggf. Anlieger

Eine Begehung vor Ort und die Deklaration als Unterhaltungsmaßnahme sollten ausreichen, um einem umfassendem Genehmigungsverfahren aus dem Weg zu gehen. Natürlich sollte ihr euch schon intern beraten haben und wohldurchdachte Planungsvorschläge für die Begehung vorbereiten.

Werkzeuge & Maschinen

Kiesdepot - Material

Die benötigten Werkzeuge und Baumaschinen sind stark von den finanziellen Möglichkeiten, dem Projektumfang und der Lage des Gewässerabschnitts abhängig. Abgesehen vom Transport lassen sich kleine bis mittelgroße Kiesdepots (10-30t) an gut erreichbaren Gewässerstellen mit ein paar Hilfsmitteln und genügend Man-Power auch ohne großes Gerät in Handarbeit anlegen. Allerdings empfiehlt sich hier ein erster Testlauf, um festzustellen, ob ein manueller Einbau wirklich zu stemmen ist.

Alternativ bleibt immer noch der maschinelle Einbau mit Bagger und Radlader, der sich aber auch entsprechend auf die Gesamtkosten auswirkt. Gute Ansprechpartner sind ortsansässige Bauunternehmen, die möglicherweise unentgeltlich mithelfen oder nur die Treibstoffkosten bezahlt haben wollen.

Material

Generell sollte immer standorttypisches Gestein verwendet werden, sprich nur die nächstgelegenen Kieswerke kommen als Materialquelle in Frage. Hier sollte der Kies gewaschen oder mindestens gesiebt worden sein. Damit wird ein schnelles Verstopfen des Kieslückenraums durch Sand vermieden. Für Rauschen in Kleinstgewässern könnt ihr beim Kartoffelbauer nachfragen, ob bei der Kartoffelernte größere Mengen Steine angefallen sind.

Bezüglich der Korngröße findet man in der Literatur verschiedene Mischverhältnisse. Zusammenfassend kann man sagen, dass der Hauptanteil aus Mittel- (6,3 – 20mm) und Grobkies (20 – 63mm) bestehen sollte. Dazu kommen dann noch geringe Anteile von Feinkies (2 – 6,3mm) und gröberen Steinen (ab 63mm).

In der Broschüre  Besser Bäche – Praxistipps werden folgende Angaben gemacht:

Bezeichnung Durchmesser Anteil
Erbsen (Mittelkies) 8-16 25%
Nüsse (Mittel- bis Grobkies) 16-32 50%
Singels (Grobkies, Geröll) 32-64 25%

Menge

Die Materialmenge richtet sich natürlich nach der Gewässergröße und dem Einbringungsort. Deshalb ist es schwer an dieser Stelle eine pauschale Empfehlung auszusprechen. In kleinen Bächen (bis 2m Breite) reichen oft schon geringe Mengen im einstelligen Tonnenbereich pro Schüttung aus, wobei kleine Flüsse (um die 5m Breite) locker große LKW-Ladungen vertragen können.

Noch ein Tipp: Beachtet bei eurer Schätzung, dass eine Tonne Kies in etwa 0,6 Kubikmetern entspricht.

Lage & Zeitpunkt

Kieslaichplatz

Prädestinierte Einbaustellen sind gut durchströmte, flache Flussabschnitte mit festem Grund. Es macht wenig Sinn, den Kies in tiefe, verschlammte Löcher zu schütten, wo er vom Wasser nicht weiter bewegt werden kann. Am „Kopf“ einer bereits bestehenden Rausche ist beispielsweise ein idealer Platz (siehe Bilder).

Zeitlich bieten sich sowohl Frühherbst als auch Winter an, denn dann sind die Böden trocken bzw. gefroren und die meisten Fische haben bereits ihr Laichgeschäft hinter sich. In Salmonidengewässern solltet ihr aufgrund der Laichzeiten den Herbst vorziehen.

Das Anlegen von Kiesdepots sollte als langfristiges Projekt geplant werden, da die Depots regelmäßige Auffrischungen erfordern.

Einbautipp: Kiesrutsche

Kiesdepot mit Kiesrutsche anlegen

An Stellen mit abschüssigem Ufergefälle, könnt ihr euch den manuellen Einbau mit einer „Kiesrutsche“ erleichtern. Dazu benötigt ihr ausreichend große LKW-Planen, die ihr als Untergrund auf den Gewässerhang legt. Der Kies wird möglichst direkt vom LKW in den Hang geschüttet. Mit einer leistungsstarken Wasserpumpe (mindestens C-Schlauch) wird der Kies komplett durchnässt bis er ins Rutschen kommt und mit wenig Kraft hangabwärts gezogen werden kann – wenn er denn nicht schon von alleine abrutscht.

Weitere Infos findet ihr hier…

Über Niklas


Gewässerwart im Angelverein seit 2010, Vorsitzender eines Gewässerschutz Vereins und Gründer des Gewässerwart Blogs. Begeisterter Skandinavien-Fahrer, Angler und Medieninformatiker.

Kommentare

  1. Das ist eine wirklich gelungene Maßnahme, die genau an dieser Stelle richtig umgesetzt wurde, zumal insbesondere in diesem Bereich die natürlichen Kiessedimente nahezu verschwunden sind.

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