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Grundlagen der Elektrofischerei

Grundlagen der Elektrofischerei

Die Elektrofischerei (auch: E-Fischen, E-Befischung) ist eine weit verbreitete und schonende Methode zum Fang von Fischen. Hierbei wird Strom eingesetzt um die Fische aus ihren Verstecken und an die Wasseroberfläche zu befördern. Für Laien mag das den Anschein haben, hier seien faule Angler am Werk. Doch dem ist nicht so. Bei E-Befischungen handelt sich stets um gut geplante Untersuchungen mit wissenschaftlichen Hintergrund, die nicht jeder ausführen darf.

Rechtliche Vorschriften

Genehmigungspflicht

Jedes Elektrofischen ist genehmigungspflichtig. Um eine Genehmigung zu erhalten, muss ein Antrag bei der zuständigen Fischereibehörde gestellt werden. Hierfür gibt es bereits vorgefertigte Formblätter, die auch im Internet bereitgestellt werden (z.B. Antrag Elektrofischerei Baden-Württemberg).

Die einzuhaltenden Auflagen für die Genehmigung einer E-Befischung sind in den Fischereiverordnungen der Bundesländer geregelt – Paragraph Elektrofischerei. Es wird immer ein gültiger Elektrofischereischein und ein geprüftes Fanggerät vorausgesetzt.

Elektrofischereischein

Elektrofischereischein

Elektrofischereischein

Um die Elektrofischerei überhaupt ausüben zu dürfen, muss der Elektrofischer einen Leistungsnachweis in Form des Elektrofischereischeins erbringen. Dafür muss ein – meist einwöchiger – Lehrgang mit abschließender Prüfung erfolgreich absolviert werden. Der Lehrgang setzt die Tätigkeit als Gewässerwart, Fischer, Biologe oder vergleichbares voraus. Vermittelt werden alle technischen Details, sowie die korrekte und vor allem sichere Handhabung der Gerätschaft.

Mehr dazu in diesem Skript zum Elektrofischerei-Kurs des Kanton Solothurn.

VDE-Vorschriften

Eine weitere Auflage für die Genehmigung einer E-Befischung: Alle Elektrofischfanggeräte unterliegen den VDE-Vorschriften und müssen in bestimmten Zeitintervallen einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen werden.

Technik

Wirkprinzip

Das Wirkprinzip ist recht simpel und bei allen Geräten gleich. Wer sich noch halbwegs an den Physik-Unterricht erinnert, wird das Vorgehen schnell verstehen.

Das elektrische System besteht aus einer Stromquelle (Generator) mit „verlängertem“ Plus- und Minuspol (Anode und Kathode). Ein geflochtenes Metallband o.ä. stellt den Minuspol dar, welches sich dauerhaft im Wasser befindet. Pluspol ist beispielsweise ein metallener Kescher, der mit einem Sicherheitsschalter (Totmann-Schaltung) ausgestattet ist. Sobald der Generator eingeschaltet ist, der Pluspol ins Wasser gehalten und gleichzeitig der Totmann-Schalter betätigt wird, kann der Strom fließen – der Stromkreis ist geschlossen. Fische, die sich innerhalb des Wirkungsradius befinden, richten sich mit dem Kopf zur Anode aus und schwimmen ihr bei ausreichender Spannung sogar entgegen.

Es wird Gleich- oder Impulsstrom mit hohen Stromstärken ans Wasser abgegeben. Falsche Handhabung kann daher unter Umständen lebensgefährlich sein.

Gleichstrom vs. Impulsstrom

Elektrofischerei vom Boot

vom Boot aus

Vorweg sei erwähnt, dass der Einsatz von Wechselstrom verboten ist. Nur die Verwendung von Gleichstrom ist erlaubt, der auch in gepulster Form eingesetzt wird (Impulsstrom). Ältere Geräte können meist nur Impulsstrom. Neue Modelle sind in der Lage beides zu liefern und vorzugsweise zu verwenden, denn so kann man sich auf alle Gegebenheiten einstellen. Grundsätzlich gilt: Gleichstrom ist dem Impulsstrom vorzuziehen.

Tragegeräte vs. Standgeräte

E-Befischung - Rückengerät

Rückengerät

Elektrofischereigeräte gibt es in mobilen und stationären Varianten. Aufgrund ihrer kompakten Maße können mobile Geräte auf dem Rücken getragen werden. Das erlaubt den Einsatz vom Ufer aber auch die Watfischerei. Stationäre Stromerzeuger werden wegen ihrer Abmessungen vorwiegend in Booten eingesetzt und verfügen dadurch über größere Energiekapazitäten und Leistung.

Verbrennungsmotor vs. Batteriebetrieb

Als Stromquellen werden sowohl Verbrennungsmotoren als auch Batterien/Akkus eingesetzt. Vorteile von Batteriegeräten sind, dass sie geräuschlos, wartungsarm und kompakter sind. Sie werden meist in kleinen Bächen und Flüssen eingesetzt. Benzinmotoren hingegen müssen nicht „geladen“ werden. Vorwiegend werden sie als stationäre Geräte im Boot eingesetzt.

Sinn und Zweck

Elektrofischerei zur Bestandserfassung

Wie eingangs erwähnt, verfolgt man mit E-Befischungen immer wissenschaftliche Ziele. Das sind:

  • Bestandsregulierung
  • Bestandserhebung
  • Bestandsbergung
  • Beweissicherung
  • Analyse von Fischartenvorkommen
  • zu Forschungszwecken
  • Laichfischfänge
  • Bergung von Fischen vor Bauarbeiten am Gewässer
  • Überprüfung des Erfolges der Wiederherstellung der Durchgängigkeit von Gewässern

Grenzen der Elektrofischerei

Man könnte meinen, dass die Arbeit mit Strom im Wasser immer funktioniert. Doch diese Annahme trifft leider nicht zu. Es gibt einige Faktoren die den Fangerfolg maßgeblich beeinflussen und limitieren.

  • Wassertiefe (maximal 2-3m Tiefe)
  • Leitfähigkeit
  • Wassertrübung
  • Gewässerstruktur
  • Beschaffenheit des Sediments/Gewässerbetts
  • Fließgeschwindigkeit
  • Wassertemperatur
  • Größenselektivität – große Tiere flüchten eher
  • Artenselektivität aufgrund der Physiologie

Schäden durch Elektrofischen

Elektrofischerei Ebefischung

Die Elektrofischerei ist wohl die schonendste Methode um Fische in offenen Gewässern zu fangen. Durch sachgemäße Ausführung werden weitreichenden Schäden an der Fauna vermieden. Gefangenen Fische erholen sich recht schnell von der Stromzufuhr. Das bedeutet aber nicht, dass überhaupt keine Schäden entstehen können. Unsachgemäßer Einsatz, alte Technik und falsche Hälterung (zu wenig Sauerstoff) können durchaus für Fische, Krebse und Laich schädigend sein.

Mehr zu Schäden durch die Elektrofischerei in diesem Dokument: Schädliche Auswirkungen der Elektrofischerei

Ein Leitfaden

Wer Praxistipps zur E-Befischung sucht, wird im Leitfaden für fischbiologische Erhebungen in Fliessgewässern unter Einsatz der Elektrofischerei von Armin Peter und Markus Erb fündig. Die Autoren zeigen alle wissenschaftlichen Hintergründe (mit deren Schwierigkeiten) auf und ergänzen diese um praxisorientierte Empfehlungen zur Herangehensweise.

Leitfaden downloaden

Und so sieht’s live aus

Das folgende Video zeigt die Elektro-Befischung der mittleren Stör inklusive deren Oberläufe im Jahr 2010. Ein Film von Michael Kuhr vom LSFV Schleswig-Holstein.

Über Niklas


Gewässerwart im Angelverein seit 2010, Vorsitzender eines Gewässerschutz Vereins und Gründer des Gewässerwart Blogs. Begeisterter Skandinavien-Fahrer, Angler und Medieninformatiker.

Kommentare

  1. Kreuziger Dieter meint:

    Hallo Niklas,

    über Deinen informativen Beitrag zur Elektrofischerei (wissenschaftliche Nutzung) habe ich mich sehr gefreut. Ich informiere mich zurzeit intensiv über die Elektrofischerei, da ein in unser Pachtgewässer fließender Bach eines anderen Pächters regelmäßig elektrisch abgefischt wird um die gefangenen Bachforellen in ein anderes Gewässer einzusetzen.

    Aus unserem Gewässer steigen die Bachforellen zum Laichen in diesen Nebenbach auf. Ein Überbesatz in diesem Bach ist nicht vorhanden, da es für die Fische/Lebensarten Ausweichmöglichkeiten gibt. Es gibt keine Querverbauungen. Wir haben deswegen bereits Kontakt zu LAVES aufgenommen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dieter Kreuziger
    (1.Vorsitzender ASG Müden/Örtze e.V.)

    • Niklas meint:

      Hallo Dieter,

      Wenn ich es richtig verstanden habe, wollt ihr dagegen vorgehen, dass die Forellen aus dem Gewässerabschnitt des angrenzenden Pächters nicht zum Umsetzen entnommen werden, da es sowieso zum natürlichen Austausch aufgrund der gegebenen Durchgängigkeit kommt?

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