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Greisinger GOX 20 - Sauerstoffmessgerät

Greisinger GOX 20 - Sauerstoffmessgerät

Das Greisinger GOX 20 ist ein digitales Sauerstoff- und Temperaturmessgerät für gelösten Sauerstoff in Flüssigkeiten. Aufgrund der relativ niedrigen Anschaffungskosten im Vergleich zu anderen Handmessgeräten, ist es für Gewässerwarte eine kostengünstige Alternative. Doch kann es sich in der Praxis bewähren? Wir haben es getestet.

Produktinformationen

Parameter

Sauerstoff Temperatur
Messbereiche 0,0 – 20,0 mg/l 0,0 – 40,0 °C
Genauigkeit (bei Nenntemperatur 25°C) ± 1 Digit ± 2% v.Messwert ± 0,2 mg/l ± 0,3°C (im Bereich 0-30°C)
Auflösung 0.1 mg/l 0,1 °C

Allgemein

Elektrode Aktiver Membrantyp
Elektroden-Ø vorne ca. 12mm
Länge ca. 170mm
ca. 2m langes Anschlusskabel fest mit dem Gerät verbunden
Ansprechzeit 95% in 10sec., temperaturabhängig
Lebensdauer ca. 3 Jahre oder mehr, pflegeabhängig
Betriebsdruck max. 3 bar
Temperaturkompensation automatisch über den in der Elektrode integrierten Temperatursensor
Eichung Durch einfachste Schnelleichung an atmosphärischer Luft
Anzeige 3½-stellige, 13mm hohe LCD-Anzeige
Arbeitstemperatur 0 bis 50 °C
Stromversorgung 9V-Batterie, im Lieferumfang enthalten
Stromverbrauch max. 1mA
Batteriewechselanzeige automatisch bei verbrauchter Batterie „BAT“
Abmessung 106 x 67 x 30 mm, Gehäuse aus bruchfestem ABS
Gewicht ca. 250 g (betriebsfertig)
Lieferumfang Gerät inkl. Elektrode, GWOK01 und KOH-Ersatzelektrolyt

Weitere Informationen zum Greisinger GOX 20 findet man in der Betriebsanleitung des Herstellers.

Preis

Der Preis des GOX 20 liegt aktuell bei rund 220€. Damit ist es eines der günstigsten Sauerstoffmessgeräte auf dem Markt.

Erster Eindruck

Greisinger GOX 20

Greisinger GOX 20

Der erste Eindruck ist durchweg positiv. Das Greisinger GOX 20 liegt sehr gut in der Hand. Sein blaues ABS-Gehäuse wirkt robust, ist allerdings nicht wasserdicht. Das Display ist groß und somit gut ablesbar. Seitlich am Gehäuse befindet sich der Ein-/Ausschalter. Hier wählt man zwischen Sauerstoff- und Temperatur-Anzeige. Beider Parametern können nicht gleichzeitig angezeigt werden. Über den orangefarbenen Potentiometer („slope“) wird das Gerät kalibriert – aber dazu später mehr.

Greisinger GOX 20 - Sonde

Sonde

Das Sondenkabel ist an der oberen Gerätekante angebracht, gut isoliert und dennoch ausreichend flexibel. Besonders die Kabelanschlüsse an Sonde und Gerät sind optimal vor dem Abknicken geschützt. Die schwarze Messsonde ist – bis auf die Membran – aus robustem Material gefertigt. Bauformbedingt besteht die Membran lediglich aus einer elastischen Folie und kann recht schnell reißen.

Seltsamerweise findet man nirgendwo einen Hinweis, ob die Sonde überhaupt wasserdicht ist. Eine Anfrage beim Hersteller brachte Gewissheit:

Die Sonde des GOX 20 ist wasserdicht und kann inkl. Griff und Kabel bis zu 4m eingetaucht werden.

Man kann also auch etwas unterhalb der Wasseroberfläche messen. Inwieweit jedoch 4m Messtiefe mit dem nur 2m langen Kabel vereinbar ist, bleibt fraglich. 😉 Vermutlich ein Tippfehler.

Tipps:

  • Da das Greisinger GOX 20 nur einen Pappkarton als Verpackung hat, empfiehlt sich der Kauf eines Schutzkoffers.
  • Vorsichtig mit der Membran umgehen: Auch im Schutzbehälter kann sie durch Bodenkontakt beschädigt werden.

In der Praxis

Kalibrierung

Der Hersteller empfiehlt eine Kalibrierung vor jeder Messung. Die Erfahrung zeigt, dass das sogar zwingend notwendig ist, da sich das Gerät relativ schnell verstellt.

Für die Kalibrierung wird die Sonde aus dem Schutzbehälter gezogen und windgeschützt ins Freie gelegt. Jetzt heißt es warten bis die Lufttemperatur angezeigt wird. Es ist schon erstaunlich, wie lange das dauern kann. Vor allem bei großen Temperaturunterschieden dauert der Vorgang 15-20 Minuten, teilweise sogar länger.

Greisinger GOX 20 - Wertetabelle

Wertetabelle

Sobald die Lufttemperatur erreicht ist, benötigt man die beiliegende Betriebsanleitung. Hier findet man eine Tabelle mit Wertepaaren aus „Temperatur-Ist-Werten“ und „Sauerstoff-Soll-Werten“. Die eben gemessenen Außentemperatur wird in der Liste herausgesucht und der dazugehörige Sauerstoffwert abgelesen. Wechselt man nun in den Sauerstoff-Modus und stellt fest, dass der angezeigte Sauerstoffgehalt vom Soll-Wert abweicht, wird die Anzeige mit dem Potentiometer bis zum Soll-Wert nachgeregelt.

Tipps:

  • Es empfiehlt sich, diese Wartezeiten bis zum Erreichen der Lufttemperatur mit weiteren, parallelen Messungen zu nutzen. In 15 Minuten kann man beispielsweise schon mehrere Tröpfchentests durchführen.
  • Aufgrund der trägen Temperaturanzeige hat man manchmal das Gefühl, die momentane Lufttemperatur sei bereits erreicht. Ein zusätzliches Thermometer gibt einen Anhaltspunkt, wo die aktuelle Temperatur tatsächlich liegt.

Wartung

Wenn sich der Soll-Wert über den Kalibrier-Poti nicht mehr einstellen lässt, muss das Gerät gewartet werden. Dazu erneuert man das Elektrolyt in Membran und Sonde. In den seltensten Fällen muss die Sonde leicht abgeschliffen werden. Mehr dazu in der Betriebsanleitung.

Messung

Nachdem man das Greisinger GOX 20 kalibriert und ggf. gewartet hat, geht die Messung recht schnell von Statten. Die Sonde wird ins Wasser gehalten und muss die Wassertemperatur annehmen. Danach muss sie – laut Betriebsanleitung – mit mindestens 30 cm/s angeströmt werden. Wer keinen Anströmer besitzt, geht wie folgt vor:

  1. Mit der Sonde solange im Wasser rühren bis die Sauerstoff-Anzeige konstant bleibt
  2. Bringt schnelleres Rühren keine Veränderung hat man die Anströmgeschwindigkeit erreicht und den Sauerstoffgehalt ermittelt

Wichtig ist, dass man beim Messen das Wasser nicht zu sehr aufwirbelt, damit keine atmosphärischer Sauerstoff im Wasser gebunden wird. Am besten also ein Stück unter der Wasseroberfläche messen.

Für tiefere Messungen um 1m kann man sich eine Sondenhalterung aus einem Besenstiel, Zeltgestänge oder ähnlichem bauen (Danke für den Tipp Helmuth :-)).

Fazit

Mit dem Greisinger GOX 20 erhält man ein solides Sauerstoffmessgerät, das konstant gute Messergebnisse liefert. Durch die verbaute Technik muss man allerdings Zeit für Kalibrierung und Pflege in Kauf nehmen, die bei einem hochpreisigeren Geräten mit automatischer Kalibrierung entfallen würde.

Wer also für den geringeren Preis mehr Zeit für die Kalibrierung mitbringt und nicht sekundenschnell messen möchte, kann ohne Bedenken zum GOX 20 greifen.

Über Niklas


Gewässerwart im Angelverein seit 2010, Vorsitzender eines Gewässerschutz Vereins und Gründer des Gewässerwart Blogs. Begeisterter Skandinavien-Fahrer, Angler und Medieninformatiker.

Kommentare

  1. Liebe Freunde,

    bei den Proben am Gewässer sollten Geräte zum Einsatz kommen die der Gewässerwart ohne viel Einstellung, Kalibrierungen usw. einsetzen kann. Beim Sauerstoffmessung sollte daher nur optische Sonden verwendet werden (4 Jahre im Einsatz immer noch genaue Werte), an der Anzeige sind als Nebenprodukt dann noch prozentuale Sättigung, Temperatur, Luftdruck zu sehen.
    Wenn man bei kleinen Vereinen mit wenig Gewässer Wasser-proben für kleines Geld machen will, ist man gut mit einem Set beraten der auf Chemischer Basis ausgestattet ist, gibt es beim VDSF anzusehen unter: http://www.vdsfshop.de/shop/category_14/Kompaktlabore.html?sessid=usYmPbnguO4K4ihpI48Fubs0eCIUshlYUAmLmqePxR4dThatBxpPiOAieo9rXPyW&shop_param=cid%3D%26
    Das sollte keine Werbung sein nur als Info betrachten.

    viele Grüße und Petri Heil
    Jürgen

  2. Gewässerwart meint:

    UPDATE:

    Der Artikel wurde leicht überarbeitet, da sich die Problematik mit der Wartung gelöst hat: Mit einer neuen KOH-Lösung sind Wartungen nur noch selten nötig.

    Zwar bleibt die Dauer der Kalibrierung nach wie vor die gleiche, doch die ständigen Wartungen entfallen. Das verbessert den Eindruck deutlich und schlägt sich jetzt auch so im Fazit nieder. 😉

  3. Helmuth Meixner meint:

    Zum Thema GOX20 ist viel mehr nicht anzumerken, als schon aus meiner Warte gesagt wurde. Wenn man mit dem Gerät nicht zufrieden ist, liegt das m.E. an überalterten Sonden, fehlerhafter Wartung oder einem Defekt. Wie schon geschrieben hatten wir ähnliche Erfahrungen gemacht und die sind nun vorbei. Seit Jahren funktioniert das Gerät einwandfrei.

    Bei dem kurzen Zeitraum gehe ich von einem reinen Garantiefall aus. Wie alt die Sonden sind kann man m.E. nur erraten. Darin aber liegt DAS Problem aller solcher Geräte, aber auch der Messchemikalien.

  4. Helmuth Meixner meint:

    Natürlich kosten die Wartungen etwas Geld.

    [vom Administrator wegen fehlender Themenrelevanz gekürzt]

    Dass das GOX20 eine Art von "Dauerbaustelle" ist wäre mir, nach sehr vielen Jahren der Nutzung, neu. Vielleicht liegt ein unerkannter Fehler vor. Ich würde das Gerät überprüfen lassen und wäre auf den Befund neugierig.

    • Gewässerwart meint:

      Um es noch mal zu verdeutlichen:
      Das Gerät ist wenige Monate alt und quasi direkt vom Hersteller. In so kurzem Zeitraum erwarte ich wartungsfreies Arbeiten. Genauso wenig möchte ich jetzt schon weiteres Geld für Wartungsarbeiten durch den Hersteller ausgeben.

      Noch eine administrative Anmerkung: Ich bitte dich, nicht zu sehr vom Thema abzuschweifen. Aus diesem Grund musste ich deinen letzten Kommentar kürzen. In diesem Artikel geht es primär um Erfahrungswerte zum Greisinger GOX 20 und die hast du ja schon umfangreich geschildert.

  5. Helmuth Meixner meint:

    Eigentlich wird das Gerät vor jeder Messreihe abgestimmt. Größten Wert legen wir auf nagelneue Sonden, denn die altern auch im Ersatzteillager vor sich hin. Deshalb kaufen wir die Geräte direkt bei der Fa. Greisinger, da wir früher ähnliche Probleme hatten.

    Da man Herrn Greisinger direkt ans Telefon bekommt und fachkompetente Auskünfte erhält, kann ich die Firma nur empfehlen. Auch die fest verlötete Sonde macht Sinn, denn die Steckverbindungen sind eine nicht zu unterschätzende Fehlerquelle. Seit wir die Geräte regelmäßig warten lassen, halten die Sonden erstaunlich lange.

    Wir hatten auch ein Multimessgerät (Hanna Combo HI 98130). Das Gerät war praktisch in der Anwendung, aber es hat sich auf merkwürdige Weise durch innere Feuchtigkeit selbst zerstört. Ohne ein Leck finden zu können lief das Display an und bald darauf machte die Elektronik schlapp. Stück für Stück habe ich die einzelnen Funktionen durch Greisinger-Geräte ersetzt. Das Zeug liegt nun in einem Messkoffer.

    Aus einem mehrteiligen Zeltgestänge aus GFK wurde eine Sondenhalterung gebastelt und nimmt den Satz an Einzelsonden auf. Mit diesem verlängerbaren Gestänge kann man auch gut umrühren, um die O2-Sonde anzuströmen.

    Mehr ist zum Thema aus meiner Sicht nicht zu sagen.

    Der ganze Messkoffer hatte einen Sturz vom Motorrad überlebt, Greisinger hat alle Geräte sofort überprüft, die gebrochenen Kleinteile ersetzt. Ich dachte anfangs, alles ist hin. Da kam die Entwarnung per Telefon. Die gesamte Elektronik ist OK. Ein gebrochener Schalter wurde kostenlos ersetzt. Alle Geräte arbeiten normal.

    So stelle ich mir eine deutsche Traditionsfirma vor.
    Solide Arbeit und korrekte Bedienung.

    • Gewässerwart meint:

      Da das Gerät erst dieses Jahr im August angeschafft und vom Verkäufer auch direkt/neu beim Hersteller bezogen wurde, gehe ich nicht von keinem übermäßigen Alterungsprozess aus.

      Zu den Wartungen beim Hersteller: Die kosten doch sicherlich auch immer eine Gebühr?

  6. Helmuth Meixner meint:

    Seit Jahren benutzen wir das GOX20 u.a. zum Messen von Abwässern in Pflanzenklärteichen.

    Unsere Greisinger-Geräte werden regelmäßig zu dieser Fa. geschickt und dort gewartet. Bei Bedarf werden natürlich die Verschleißteile (Sonden) erneuert und man erhält also ab Fabrik nagelneues Material.

    Die O2-Sonden sind bei pfleglicher Behandlung sehr messstabil. Wir kalibrieren zwar regelmäßig, aber die Werte sind über Wochen stabil.

    Wer keinen elektronischen Schnick-Schack braucht, ist mit dem GOX20 sehr gut bedient. Da es immer wieder einmal vorkommt, dass Referenzmessungen mit sehr teuren Laborgeräten erfolgen, kann man auch mit der Messgenauigkeit durchaus zufrieden sein. Auf die 2. Nachkommastelle kommt es meist in der Praxis gar nicht an-

    • Gewässerwart meint:

      Hallo Helmuth,

      mich würde interessieren, wie oft ihr kalibriert?

      In der Regel messen wir im monatlichen Rhythmus, d.h. wir kalibrieren ein mal im Monat. Es war bisher jedes mal nötig eine Wartung durchzuführen, weil der Poti nicht mehr einzustellen war.

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