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Gewässeruntersuchung mit Tauchern

Gewässeruntersuchung mit Tauchern

Eines unserer Pachtgewässer ist ein alter Steinbruch mit etwa 0,7ha Wasserfläche. Zuletzt wurde der Teich vor etwa 25 Jahren abgepumpt, Welse entnommen und der Gewässergrund begutachtet. Damals gab es zwar vereinzelt schlammige Ecken, doch der übrige Grund war kiesig-fest – ohne Probleme begehbar.

Jüngst sprechen aufsteigende Gasblasen, häufige Algenblüten und hohe Nährstoffwerte (Phosphat und Nitrat) gegen die Annahme, der Zustand von damals sei unverändert gut. Deshalb wollten wir es genauer wissen und organisierten einen Tauchgang mit zwei engagierten Tauchern vom Hessischen Tauchsportverband e.V..

Voraussetzungen

Sicherheit

Taucher Gewässeruntersuchung

Ob kleines oder großes Gewässer: Die Sicherheit für die Taucher muss immer gewährleistet sein. Zwar sind Angelteiche oft nicht sonderlich tief, doch sollten trotzdem immer nur erfahrene und gut ausgebildete Taucher solche Untersuchungen durchführen – am besten Tauchlehrer. Die wissen genau, worauf zu achten ist und ob das Vorhaben überhaupt umsetzbar ist. Eine frühzeitige Gewässerbegehung gemeinsam mit den Tauchern ist unbedingt zu empfehlen.

Sichttiefe

Eine gute Sichttiefe ist nach der Sicherheit wohl die wichtigste Voraussetzung für den Tauchgang. In unserem Fall hatten wir durch den langanhaltenden Winter noch im Frühsommer Sichttiefen von knapp 3m – gemessen mit der Secchi-Scheibe. Man muss allerdings beachten, dass die Sichttiefen-Messung mit der Secchi-Scheibe durch das idealisierte Kontrastbild nicht mit der tatsächlichen Sichtweite für die Taucher gleichgesetzt werden kann: Die besagten 3m Sichttiefe entsprachen einer Sichtweite von etwa 1-1,5m.

Anforderungen an die Taucher

Neben Kenntnissen über die heimische Wasserflora- und -fauna sollten die Taucher über geeignetes Foto-Equipment verfügen. Die Bild- und Videodokumentation ist für die spätere Auswertungen des Tauchgangs sehr hilfreich. In größeren Gewässern wäre sogar GPS-basiertes Fotografieren denkbar, um die Bilder den Standorten zuweisen zu können.

Planung & Vorbereitung

Gewässerkarte Tauchgang

„Einfach ins Wasser springen und mal drüber schauen“ ist für alle Beteiligten wenig hilfreich. Deshalb sollte man mit den Tauchern genau abklären, was ihre Aufgabe ist und auf was sie achten sollen. Das können sein:

  • Entnahme von Tiefenproben und/oder Bodenproben
  • Kartierung des Pflanzenbestands
  • Vermessung der Schlammdicke
  • Tiefenprofile erstellen
  • Bestandsaufnahme von Tieren (z.B. Muscheln, Krebsen)

Um die Koordinierung zu erleichtern – gerade beim ersten Tauchgang – hilft neben der Gewässerbegehung auch eine Gewässerkarte ungemein. Hier können später auch die Untersuchungsdaten eingetragen werden.

Weiterhin müssen die Einstiegsstellen so vorbereitet sein, dass die Taucher mit ihrem schweren Gerät ohne Probleme an, ins und aus dem Gewässer kommen können. Wenn dann noch kühle Getränke und eine ordentliche Mahlzeit am Ufer bereitstehen, ist man bestens vorbereitet. 🙂

Der Tauchgang

Sicht des TauchersDie erste Runde drehten die Taucher mit dem Schnorchel und gewannen so einen ersten Eindruck vom flacheren Gewässerrand. Im zweiten Anlauf kam dann das schwere Geschirr mit Pressluftflaschen und Taucheranzug zum Einsatz. Jetzt konnten auch tiefere Stellen untersucht werden.

Ein Messer hatten die Taucher immer griffbereit, denn in Angelteichen warten oft abgerissene Schnüre, in denen man sich verfangen kann. Zusätzlich diente ein Eimer zum Transport von Fundstücken, wie Grundbleien oder Gummifischen.

Worauf die Taucher unbedingt achten sollten: Während des Tauchgangs muss so wenig wie möglich Schlamm aufgewirbelt werden, um das Freiwerden von Nährstoffen zu verhindern.

Abschlussbericht

Für uns gab es nach dem Tauchgang doch die ein oder andere Überraschung: Die Taucher berichteten beispielsweise von (nie besetzten) Teichmuscheln, vermoderten Anfütterresten (es gilt ein Anfütterverbot) und unerwartet dicken Schlammablagerungen in vielen Gewässerbereichen. Die abschließende Ausarbeitung, die die Taucher dann noch in Eigenregie anfertigten, übertraf all unsere Erwartungen an das spontane Vorhaben. Sie erstellten eine Tiefen-/Schlammkartierung und die folgende Video-Dokumentation:

MuschelnStock zu groben Messung der SchlammschichtMuschelTote Forelle wird von Pilz zersetzt

Fazit

Obwohl unser Vorhaben spontan und eher unkonventionell angegangen wurde, war der Verlauf ein voller Erfolg. Die Motivation der Taucher und deren Interesse für das unbekannte Gewässer war unheimlich groß. Sie stellten sogar weitere Tauchgänge und die Fortführung der Zusammenarbeit in einem interdisziplinären Projekt in Aussicht. Zusätzlich erhielten wir als Verein einen sehr guten Eindruck vom Gewässerzustand und können jetzt weitere Projekte besser planen. Wenn man also den eigenen Teich nicht ablassen kann oder will, bieten Tauchgänge eine gute und schonende Untersuchungsmöglichkeit.

Danksagung

Herzlichen Dank an Martin Grosch (Tauchlehrer VDST – TL2) und Wolfgang Busold (Trainer C), die den Tauchgang durchgeführt und uns ihr Video- und Fotomaterial zur Verfügung gestellt haben!

Über Niklas


Gewässerwart im Angelverein seit 2010, Vorsitzender eines Gewässerschutz Vereins und Gründer des Gewässerwart Blogs. Begeisterter Skandinavien-Fahrer, Angler und Medieninformatiker.

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