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Fisch-Transponder in Kormoran-Nestern

Fisch-Transponder in Kormoran-Nestern

In der Provinz Limburg in den Niederlanden wurden an der Maas 15 Fisch-Transponder in Kormoran-Nestern gefunden. Mitarbeiter von Rijkswaterstaat und Sportvisserij Nederland untersuchten am 15. Mai 2013 gezielt zwei bekannte Nistplätze der Kormorane auf der niederländischen Flussseite. Auf der gegenüberliegenden, belgischen Seite wurde ebenfalls ein Sender gefunden.

Die Transponder stammen von besetzten Lachssmolts aus den Jahren 2012 oder 2013, die direkt in der Maas oder in Nebenflüssen besetzt wurden. Weitere Untersuchungen der Transponder werden zeigen, aus welchen Jahrgängen die Fische genau stammten.

Wenn man berücksichtigt, dass…

  • in Transponder-Projekten nur relativ wenige und bereits großgezogene Smolts besetzt werden (grob um die 100 Lachse pro Jahr)
  • die Batterie-Laufzeiten der Transponder nur wenige Monate beträgt (allerhöchstens 12 Monate)
  • die Kormorane ihren Darm nicht nur am Brutplatz entleeren 😉

…dann sind die 16 Transponder – ergo 16 Lachse – schon eine recht ordentliche Zahl.

Der Kormoran profitiert von Stauanlagen

Kormoran in der Nähe einer StauanlageIn Deutschland wird vielerorts eine sehr emotionsgeladene Diskussion über den Kormoran geführt. Der Vogel des Jahres 2010 wird in Anglerkreisen immer wieder zum „Problem-Vogel“ stigmatisiert, weil er lokal bis regional erheblichen Einfluss auf die Fischpopulation haben kann – und das passiert dann auch noch oft dort, wo man sich um die Ansiedlung seltener oder ausgestorbener Fischarten bemüht.

Der Fall der gefundenen Fisch-Transpondern an der Maas zeigt auch, dass sich große Kormoran-Kolonien bevorzugt an großen Schleusen oder Wasserkraftwerken aufhalten. Niels Brevé – Mitarbeiter von Sportvisserij Nederland und Beteiligter an der Transponder-Untersuchung – analysiert die Situation wie folgt:

I have come to believe that without sluice-weir complexes and hydropower plants in our rivers, which tend to concentrate and delay the migration of fish, the impact of cormorants and predatory fish (catfish) would be much less measurable. In a indirect way we help predators to catch fish with our man-made structures in the rivers.

Auf deutsch:

Mittlerweile bin ich der Überzeugung, dass die Auswirkungen von Kormoran und Raubfischen (Wels) auf unsere Flüsse ohne Schleusen, Wehre und Wasserkraftanlagen, die dazu neigen Fischwanderungen zu bündeln und zu verzögern, wesentlich geringer wären. Mit unseren menschengemachten Strukturen unterstützen wir Raubtiere auf indirekte Weise mehr Fische zu erbeuten.

Blicken wir wieder nach Deutschland auf unsere Fließgewässer, stellt man an den Strömen und Flüssen sicher ähnliches fest. Wir unterstützen also in gewissem Maße auch selbst, dass es dem Kormoran bei uns mittlerweile so gut geht.

Eingesetzte Technik

Zum Abschluss noch ein paar Worte zu der eingesetzten Technik, die für die Untersuchung des Wanderverhaltens der Lachs-Smolts in der Maas eingesetzt wird. Es handelt sich hierbei um das Transponder-System NEDAP TRAIL, das auch für deutsche Projekte eingesetzt wird – beispielsweise in Nordrhein-Westfalen. Jedem Fisch wird dazu ein Transponder mit eindeutiger Identifikationsnummer in die Bauchhöhle eingepflanzt. Sobald ein markierter Lachs eine der über das gesamte Flusssystem verteilten Empfängerstationen durchquert, wird er automatisch registriert. So kann das Wanderverhalten jedes einzelnen Lachses komplett zurückverfolgt werden.

Über Niklas


Gewässerwart im Angelverein seit 2010, Vorsitzender eines Gewässerschutz Vereins und Gründer des Gewässerwart Blogs. Begeisterter Skandinavien-Fahrer, Angler und Medieninformatiker.

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