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Die chemische Gewässeruntersuchung

Die chemische Gewässeruntersuchung

An dieser Stelle werden die Einsatzzwecke der chemischen Gewässeruntersuchung zusammengefasst und aufgezeigt, wie die Datenerhebung sinnvoll und effizient eingesetzt werden kann. Meist sind diese Messungen zeitintensiv und erfordern vom Gewässerwart eine grundlegende Planung. Klare Zielsetzungen sind unverzichtbar, denn wer hier planlos misst, investiert viel Zeit, erhält aber nur bedingt belastbare Ergebnisse.

In der Praxis kann man zwei Vorgehen unterscheiden, die kombiniert eingesetzt werden. Zum einen die regelmäßige Überwachung und Dokumentation des Gewässerzustands. Zum anderen ergänzende Einzelmessungen, die situationsabhängig eingesetzt werden.

1. Überwachung & Dokumentation

Die chemische Gewässeruntersuchung dient primär zur Langzeitüberwachung der Gewässerchemie. Wasserzusammensetzung und chemischer Zustand des Gewässers werden in regelmäßigen Intervallen per Einzelmessung überprüft. In Summe ergeben diese Momentaufnahmen die Datengrundlage um Veränderungen und Tendenzen ableiten zu können. Alle Einzelmessungen werden dokumentiert und zu einer Messreihe zusammengefügt.

Wie oft muss ich messen?

Grundsätzlich gilt die Aussage: Umso mehr Messungen, desto belastbarer die Werte und die daraus resultierende Analyse.

Mit jeder Einzelmessung steigert sich die Aussagekraft und Genauigkeit der Analyse. Je mehr Messwerte, desto besser. Allerdings sollte man in Anbetracht des Aufwands realistisch bleiben. Sinnvoll sind monatliche bis maximal wöchentliche Messungen. In Ausnahmesituationen sind auch tägliche bis hin zu stündlichen Untersuchungen möglich, was aber nur in speziellen Fällen wirklich sinnvoll ist – beispielsweise bei akuter Schmutzwassereinleitung oder kritischen Sauerstoffwerten im Hochsommer.

Welche Parameter sollte ich messen?

Chemische Gewässeruntersuchung

Viele Stoffe – Welche muss man messen?

Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass nicht allein chemische Stoffe, sondern auch physikalische Werte dokumentiert werden – daher auch oft die Bezeichnung chemisch-physikalische Gewässeruntersuchung. Das Messen der physikalischen Parametern ist wichtig, um die chemischen Werte in Relation zu aktuellen Umwelteinflüssen des Gewässers zu setzen.

Nachdem man erst mal zwischen Physik und Chemie unterschieden hat, können die Gruppierungen weiter in Pflichtparameter und ergänzende Parameter aufgeteilt werden. Pflichtparamter sollte man auf jeden Fall messen. Die restlichen, ergänzenden Parameter können entweder berechnet oder zunächst vernachlässigt werden:

Chemische Parameter

Pflichtparameter

  • pH-Wert
  • Sauerstoffgehalt
  • Nitrat
  • Nitrit
  • Ammonium
  • Gesamthärte
  • Karbonhärte
  • Phosphor oder Phosphat

Ergänzende Parameter

  • Sauerstoffsättigung (errechenbar)
  • Ammoniak (errechenbar)
  • Phosphor oder Phosphat (errechenbar)
  • Kohlensäure (errechenbar)
  • Salpetrige Säure (errechenbar)
  • Eisen
  • Chlorid
  • Kupfer
  • etc.

Physikalische Parameter

Pflichtparameter

  • Uhrzeit
  • Datum
  • Wetterlage
  • Lufttemperatur
  • Wassertemperatur
  • Sichttiefe

Ergänzende Parameter

  • Leitfähigkeit
  • Luftdruck

Errechenbare Parameter

Wie bereits erwähnt, kann  man aus den oben genannten Pflichtparametern weitere Werte ableiten. Natürlich sind die Ergebnisse nicht so genau wie bei einer tatsächlichen Messung, doch reduzieren sie den Messaufwand und reichen in der Regel aus.

Parameter benötigt wird
Sauerstoffsättigung Sauerstoffgehalt, Wassertemperatur
Kohlensäure pH-Wert, Karbonhärte
Ammoniak pH-Wert, Ammonium
SBV Karbonhärte
Phosphat Phosphor
Phospor Phosphat
Salpetrige Säure pH-Wert, Nitrit

Für die Berechnung könnt ihr unseren Wasserparameter-Rechner benutzen:

Wasserparameter berechnen

Welchen Sinn haben regelmäßige Messungen?

Wenn die chemische Gewässeruntersuchung kontinuierlich beibehalten und zentral dokumentiert werden, bieten sie die beste Datengrundlage für diverse Auswertungen und Prognosen – auch für spätere Gewässerwarte.

  • Wasserqualität stetig und über Jahre im Blick
  • aktuelle Abweichungen werden schnell erkannt
  • Trends der letzten Jahre zeichnen sich ab
  • rechtliches Beweismittel – beispielsweise Gegenüberstellung Normalzustand und Verunreinigung
  • Grundlage zur Auswahl geeigneter Besatzfische

2. Situationsabhängige Messungen

Situationsabhängige Untersuchungen zielen nicht auf die Langzeit-Überwachung ab, wie oben beschrieben. Sie werden zeitlich flexibel eingesetzt und dienen zur detaillierteren Betrachtung ausgewählter Stoffe oder Stoffgruppen in einem bestimmten Zeitraum. Häufigkeit und Zeitpunkt der Messungen werden je nach vorliegender Situation gewählt.

Hier einige Beispiele:

Situation Parameter Vorgehen
rötliche Eisenocker-Ablagerung Eisen über längeren Zeitraum beobachten, ggf. als festen Wert in die Routine-Untersuchung übernehmen
hohes Algenaufkommen Nitrat, Phosphat stichprobenartige Messung an Zuflüssen, über längeren Zeitraum beobachten, ggf. als festen Wert in die Routine-Untersuchung übernehmen
akute Schmutzwassereinleitung alle Pflichtparameter sofortige Messung (besonders in Fließgewässern) vor und hinter der Verschmutzung messen
Vorbereitung einer E-Befischung Leitfähigkeit einmalige Messung kurz vor der E-Befischung zum Einstellen der Gerätschaft
vermutetes Sauerstoffdefizit (z.B. nachts) Sauerstoffgehalt, Sauerstoffsättigung Messung an verschiedenen Tageszeiten, ggf. 24-Stunden Messung
Fischsterben alle Pflichtparameter sofortige Messung (besonders in Fließgewässern), mögliche Problemquellen beproben

Besonderheit bei Fließgewässern

Durch den steten Wassertransport verändert sich der Chemismus in Fließgewässern wesentlich schneller als in Stillgewässern. Das bedeutet, dass man in Problemfällen – beispielsweise bei akuter Abwassereinleitung – schnell reagieren und unmittelbar messen muss.

Über Niklas


Gewässerwart im Angelverein seit 2010, Vorsitzender eines Gewässerschutz Vereins und Gründer des Gewässerwart Blogs. Begeisterter Skandinavien-Fahrer, Angler und Medieninformatiker.

Kommentare

  1. H.Heinze meint:

    Ich hab mal ne Frage bezüglich des Ortes der Wassertests. Ich will einen Teich (ca. 1 ha) über ein Jahr beproben. Der Teich wird durch einen kleinen Bach gespeist und ist an der tiefsten Stelle 2,5 m tief. Wo wäre es sinnvoll das Wasser zu entnehmen? Am Einlauf oder Auslauf, in welcher Wassertiefe und zu welcher Tageszeit?
    Ich würde mich über eine Antwort freuen.

  2. Hallo,

    kann mir bitte jemand ein Wasseranalyseset empfehlen, mit dem ich an unserem Angelgewässer (See, ca. 2 ha) die wichtigsten Wasserparameter regelmäßig überprüfen kann. Ich denke da an einen Messkoffer, der die wichtigsten chemischen und physikalischen Analysegeräte beinhaltet und auch die Möglichkeit eröffnet, Wasserparameter in unterschiedlichen Wassertiefen zu ermitteln. Der Preis sollte maximal bei 1000 € liegen.

    mfG

    • Hallo,

      ich habe dein Kommentar mal in diesen Artikel verschoben, da er hier thematisch besser reinpasst.

      Deine Frage bedarf einer längeren Diskussion, weil es hier verschiedene Möglichkeiten gibt und jeder eigene Anforderungen hat (siehe letzten Beitrag unten). Ich rate dir daher mal ein Blick in das Gewässerwart Forum zu werfen. Wenn ich mich richtig erinnere gibt es schon einen größeren Thread zu diesem Thema. Dort wird dir bei solch umfangreichen Fragen zügig geholfen. 🙂

  3. Hallo Sportfreunde,

    wir haben da mal eine Frage zur Prüfung der Gewässergüte:
    Wir benötigen dringend einen neuen Prüfkoffer, werden aber von der Fa. Sigma-Aldrich belehrt, dass keine Chemikalien an Privatadressen verschickt werden dürfen.
    Wenn die es nicht nötig haben, dann eben nicht.

    Könnt Ihr uns eine Bezugsquelle eines vernünftigen, nicht überteuerten Testkoffers nennen?

    Mit sportlichen Grüßen
    E. Tildtmann, 2. Vors. und Gewässerwart

    • Gewässerwart meint:

      Hallo Eckhardt,

      Es ist recht schwierig deine Fragen so pauschal zu beantworten. Es spielen da verschiedene Faktoren eine entscheidende Rolle:

      • Welches Budget habt ihr zur Verfügung?
      • Welche Parameter wollt ihr messen?
      • Welches Messverfahren wollt ihr nutzen (elektronisch, titrimetrisch, photometrisch etc.)?
      • usw.

      Diese Frage stellen sich sicher viele unserer Gewässerwart-Kollegen, weshalb ich mir gleich eine Notiz für einen separaten Artikel speziell zum Thema "Anschaffung geeigneter Messgeräte" gemacht habe. 🙂

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