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Das Alter von Fischen

Das Alter von Fischen

Die Theorie

Fische wachsen schubweise nach einem Kalt-Warm-Rhythmus. Im Sommer mehr, im Winter weniger. Dies liegt an deren wechselwarmen Körpertemperatur und am reichhaltigen Futterangebot im Sommer. Im Winter reduzieren sie ihren Stoffwechsel und wachsen dadurch wesentlich langsamer. Analog wachsen auch deren Hartstrukturen (Schuppen, Gräten etc.) in diesen Schüben mit. Hierbei entstehen verknöcherte Ringstrukturen in den Hartstrukturen, die sich optisch in Sommer- und Winterzeit unterscheiden lassen: schmale Winterringe mit hoher Gewebedichte und breite Sommerringe mit geringer Gewebedichte.

Anatomische Altersbestimmung

Der Aufbau der Hartstrukturen mit deren saisonalen Wachstumsringen macht man sich letztlich für die Altersbestimmung zu Nutze. Vergleichbar mit dem Zählen von Jahresringen bei Bäumen, werden bei Fischen die Sommer- und Winterringe zu Jahren zusammengefasst und abschließend zum Alter aufsummiert.

Bei Schuppen beispielsweise zeigen sich Wachstumsjahre in nahezu transparenten Sommerringen zusammen mit lichtdichten Winterringen. Abbildung 1 zeigt die stilisierte Struktur einer Schuppe und das Abzählen der Wachstumsringe. Der imaginäre Fisch erlebte insgesamt 7 Sommer und 6 Winter, wobei die Differenz zwischen Winter- und Sommerringen auf ein neu angebrochenes Wachstumsjahr hinweist. Dies wird mit einem Plus gekennzeichnet.

Stilisierte Jahresringe einer Schuppe

Stilisierte Schuppe mit Wachstumsringen

 

Wozu das Alter bestimmen?

Mit dem Alter als Einzelwert und auch in Verbindung mit anderen Messwerten (z.B.: Körperlänge, Individuenzahl) lassen sich Rückschlüsse über den Fisch selbst und die Fischfauna des untersuchten Gewässers ziehen. Leitfragen können sein:

  • Ist die Laichreife des untersuchten Fisches erreicht?
  • Kommt es zur natürlichen Reproduktion (evtl. nach einem Initialbesatz) im Gewässer?
  • Welches Abwuchsverhalten ergibt sich aus dem Verhältnis von Alter und Körperlänge?
  • Wie ist das Abwuchsverhalten mehrerer Individuen einer Art?
    • Kommt es zur Verbuttung?
    • Wie ist das Nahrungsangebot?
  • Welchen Aufbau weist die Alterspyramide/Altersverteilung auf?
    • Fehlen bestimmte Altersgruppen?

Praxis

Hier ein praktisches Beispiel im Video-Format:
Woran erkennt man das Alter von Fischen? – Wissen macht Ah! – DAS ERSTE – WDR

Hinweise

Theoretisch scheint das Vorgehen bis hierhin recht simpel: Hartstruktur dem Fisch entnehmen, Ringe zählen, fertig. In der Praxis ist dies in vielen Fällen leider nicht so einfach. Das Wachstum der Fische und letztlich auch der Hartstrukturen wird durch verschiedene Umweltfaktoren beeinflusst und ist teilweise sehr unregelmäßig. Beispielsweise können unerwartete Temperaturschwankungen oder ein dauerhaft schlechtes Futterangebot in bestimmten Jahren das Wachstums so stark stören, dass sich Sommer und Winter nur schwer unterscheiden lassen. Eine gewisse Ungenauigkeit ist also immer zu beachten und muss mit einer Fehlertoleranz einberechnet werden. Bei schlecht erkennbaren Fällen ist es daher ratsam weitere Einschätzungen von Vereinskollegen, Gewässerwarten etc. einzuholen um eine tendenzielle Altersspanne zu ermitteln. Exakte Altersbestimmungen aufs Jahr genau sind daher – selbst für den ausgebildeten Fachmann – nicht immer möglich.

Zur besseren Erkennung der Jahresringe empfiehlt sich der Einsatz eines einfachen Mikroskops oder einer Lupe. Die Abstände der Ringstrukturen sind oft sehr gering und mit dem bloßen Auge nur schwer oder gar nicht zu erkennen.

Untersuchung der Hartstrukturen

Die praktischen Anleitungen zur Untersuchung der Hartstrukturen wurden aufgrund ihres Umfangs in folgende Artikel ausgelagert:

Über Niklas


Gewässerwart im Angelverein seit 2010, Vorsitzender eines Gewässerschutz Vereins und Gründer des Gewässerwart Blogs. Begeisterter Skandinavien-Fahrer, Angler und Medieninformatiker.

Kommentare

  1. Steffi Trense meint:

    Hallo,
    vielleicht ja eine blöde Frage.
    Aber wie ist das mit Fischen, die ausgewachsen sind? Da wachsen die Schuppen doch nicht mehr, so dass man dann nicht mehr das Alter anhand der Schuppen erkennen kann?!?

    Danke für Ihre Antwort!
    Gruß
    S. Trense

    • Hallo Steffi,

      die Frage ist durchaus berechtigt. Die Wachstumsringe werden mit zunehmenden Alter und abnehmenden Wachstum schmaler und dichter. Bei verbutteten Fischen werden die Wachstumsringe vermutlich auch sehr dicht sein. Dann wird es mit der Bestimmung definitiv schwieriger.
      Ich denke jedoch, dass bei den meisten Fischen, die gut abwachsen und keine außergewöhnlich lange Lebensdauer haben, eine grobe Bestimmung (mit technischen Hilfsmitteln) weiterhin möglich ist.

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