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Brutboxen - Die Systeme im Überblick

Brutboxen - Die Systeme im Überblick

Das Prinzip von Brutboxen orientiert sich an der natürlichen Erbrütung von Fischeiern im Kieslückensystem und ist daher speziell für Salmoniden – wie Bachforelle und Lachs – gedacht. Die Fischeier werden im Augenpunktstadium innerhalb eines Gittergehäuses in ein Fließgewässer eingebracht, wo sie sich bis zum Schlupf von der Brutbox geschützt entwickeln können. Nachdem die Larven ein gewisses Wachstumsstadium erreicht haben, verlassen sie die Box oder müssen aktiv ins Gewässer entlassen werden, wo sie in ihrer natürlichen Umgebung aufwachsen. Das gewährleistet eine bessere Anpassung an die örtlichen Gegebenheiten, als es bei vorgestreckten Besatzfischen der Fall wäre.

Brutbox Systeme

Obwohl sich das grundlegende Prinzip der Erbrütung direkt im Fließgewässer nicht geändert hat, haben sich die Brutboxen Systeme über Jahrzehnte stetig weiterentwickelt und verbessert. So sind verschiedene Bauformen entstanden, die ich euch an dieser Stelle vorstellen will.

Vibert

Vibert Box Richard Vibert war einer der ersten Forscher, der sich mit künstlichen Bruthilfen speziell für Salmoniden beschäftigte. In den 50iger Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelte er einkammrige Brutboxen für etwa 200 Fischeier. Die kleinen Plastikboxen werden mit den Eiern befüllt und anschließend im Grobkies vergraben. Sobald die Larven in der Box geschlüpft sind, wandern sie aus dem Gehäuse in das Lückensystem des Kiesbetts. Dort verweilen sie bis der Dottersack aufgezehrt ist, um anschließend das Kiesbett ins freie Wasser zu verlassen. Mittlerweile gibt es sogar eine biologisch abbaubare Ausführung der Vibert Box, die sich im Wasser von selbst auflöst.

Whitlock Vibert

Die Whitlock Vibert Brutbox (kurz: WV-Box) ist eine Weiterentwicklung der Vibert Box, die ebenso im Kiesbett vergraben wird und etwa 500 Eier fasst. Dave Whitlock ergänzte die Vibert Box um eine zweite Kammer, die als „Auffangbehälter“ für die Larven dient. In einer oberen, kleineren Kammer werden die befruchteten Eier eingebracht, wo sie schlüpfen. Die frisch geschlüpften Brütlinge schwimmen aufgrund ihrer Lichtscheue anschließend durch den gelochten Boden in die zweite, untere Kammer. Nachdem sie dort den Dottersack aufgezehrt haben, wandern sie komplett aus der Box in dem umliegenden Kies ab.

Firzlaff

Firzlaff Box Die Firzlaff Box ist aus Edelstahl gefertigt und mit aufschwenkbarem Deckel ausgestattet. Das System wird nicht im Substrat vergraben, sondern auf den Grund des Gewässers gestellt. Innerhalb der Box sind einzelnen Bruteinsätzen für das Einbringen von ca. 7 000 – 20 000 Eiern eingebaut. Öffnungen für die Wasserzufuhr befinden sich lediglich an der Stirnseite. Gegen die Abdrift wird die Firzlaff Box mit Stangen als Anker im Gewässergrund gesichert. Ein Schloss schützt vor unbefugtem Öffnen. Neben der stationären Ausführung gibt es auch ein schwimmfähiges System.

Bolliger

Die Bolliger Box ist der Vibert Box sehr ähnlich, doch ist sie insgesamt größer, flacher und aus Edelstahl gefertigt. Sie wird auf dem – und nicht im – Bodensubstrat platziert und anschließend durch Steine beschwert, um eine Abdrift zu verhindern.

m+s

Das aus Edelstahl gefertigte m+s Brutboxensystem basiert grundlegend auf dem Prinzip der WV Box. Es gibt eine Kammer für die Eier sowie eine Auffangkammer für die Brütlinge. Allerdings sind die Abmessungen der Box wesentlich größer und so weist das m+s System ein Fassungsvermögen von etwa 10 000 (Bachforellen-)Eiern auf. Ein weiterer großer Unterschied zu den anderen Brutboxen ist die zusätzliche Schutzhülle durch ein KG Rohr. Die allseitig offene und etwa 1m lange Box wird zum Schutz in ein Kunststoffschutzrohr eingeschoben und mit Abstand zum Gewässergrund aufgestellt.

Cocooning

Beim Cocooning werden die Fischeier in einen mit Kies gefüllten Zylinder im Kiesbett vergraben, den die Brütlinge nach dem Schlupf nicht verlassen können. Zwar besitzt der Zylinder für das Durchströmen seitlich große Löcher, doch versperrt ein sehr feinmaschiges Gewebe den Weg nach draußen. So kann die Schlupfrate überprüft werden und die Brut ggf. auch an anderen Gewässerstellen verteilt werden.

Jordan/Scotty Incubator

Jordan Scotty Salmonid Incubator

Der Jordan Scotty Salmonid Incubator ist ein kanadisches Produkt und erzielt durch sein modulares System sehr hohe Schlupfraten. Jedes Modul besteht aus 2 Platten, die mit Fischeiern befüllt werden und sich gegeneinander verschließen. Dieses System wird ebenfalls im Kies vergraben. Durch seitliche Öffnungen können die Fische nach dem Schlupf aus der Box emergieren. Für die verschiedenen Größen der Fischeier (Lachs, Äschen, Forellen usw.) gibt es spezielle Modelle mit entsprechenden Abmessungen. Je nach Vorhaben kann eine beliebige Menge von Einzelmodulen zusammengeschraubt werden.

Selbstbauten

Weiterhin gibt es noch diverse selbstgebaute Brutsysteme, die auf den Prinzipien der vorgestellten, kommerziell hergestellten Brutboxen beruhen – beispielsweise die Ulmer Box. Für handwerklich Geschickte sollte der Eigenbau einer Brutbox nach eigenen Vorstellungen kein all zu großes Problem darstellen.

Über Niklas


Gewässerwart im Angelverein seit 2010, Vorsitzender eines Gewässerschutz Vereins und Gründer des Gewässerwart Blogs. Begeisterter Skandinavien-Fahrer, Angler und Medieninformatiker.

Kommentare

  1. Alex Weber meint:

    Hallo Niklas,

    es gibt was neues: Chiemgaufischbox, eine Weiterentwicklung der Leistner Box
    Bei Interesse einfach melden

    Grüße
    Alex

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